Die letzten Wochen standen ganz und gar im Zeichen der Bewegung und dies auf den Spuren der Inkas.
Von der chaotischen Stadt ‚La Paz‘ aus begaben wir uns auf den Choro Trail. Ein Taxi brachte uns frühmorgens zum Ausgangspunkt der Wanderung. Ein harter, aber kurzer Aufstieg führte uns auf den über 4900 m.ü.M hohen Pass. Danach folgte der lange Abstieg. Wir verabschiedeten uns von der kargen Andenlandschaft und arbeiteten uns nach und nach in das tropische Tiefland vor. Der Weg, welcher von den Inkas als Handelsroute benutzt wurde, war spektakulär. Einfach bewundernswert in einer solchen Landschaft diese Steinwege zu erschaffen: Es muss eine Ewigkeit gedauert haben! Wir genossen den Weg entlang von einzelnen, abgelegenen Häusern, freundlich winkenden Einheimischen und natürlich den Lama-Scharen.
Der zweite Tag war hart und lang, aber die Landschaft und vorallem die Abwechslung unterwegs motivierte uns immer wieder und umso mehr genossen wir das wohl verdiente Feierabendbier. Am dritten Tag nahmen wir den letzten Teil des insgesamt 3700 Meter langen Abstiegs in Angriff. Dank kurzem Autostopp sparten wir uns das Taxi und landeten an der Strassenkreuzung, von wo aus wir im Minibus wieder zurück nach ‚La Paz‘ gebracht wurden.
Wir verabschiedeten uns von ‚La Paz‘ uns machten uns auf den Weg nach Copacabana am Titicacasee. Auf der Fahrt konnten wir noch einen letzten Blick auf die Stadt werfen: Spektakulär in einem Talkessel eingebettet zeigte sich die höchstgelegene Hauptstadt nochmals von der besten Seite. Copacabana war dann eine Enttäuschung, eine Touristenfalle keinesgleichen: Überteuert, aufdringlich und überfüllt. Wir machten uns gleich am nächsten Tag auf zur Isla del Sol, die Sonneninsel im Titicacasee. Wir genossen die Fahrt mit der Fähre auf dem See, der 13 Mal so gross ist wie unser Bodensee! Wir wollten dem Touristenstrom ausweichen und stiegen bereits im Süden der Insel aus, antizyklisches Verhalten hat sich bis jetzt immer gelohnt!:) So konnten wir in Ruhe loswandern. Wir bestaunten die von den Inkas hergestellten Terrassen, sahen Frauen mit ihren Schafherden unterwegs, Schweine am Strassenrand und Strände mit glasklarem, glitzerndem Wasser.
Im Norden erreichten wir die Chikana-Ruinen mit dem heiligen Stein, wo die Geschichte der Inkamythologie ihren Lauf genommen haben soll. Von dort aus führte uns der Weg wieder zurück in den Süden, wo wir ein schönes Hotelzimmer bezogen. Bei der Frage nach einer warmen Dusche antwortete uns die Senora, dass wir nur maximal 4 Minuten duschen könnten, weil das Wasser auf der Insel so knapp wäre. Bisher gibt es nur eine einzige Wasserpumpe auf der ganzen Insel und die gehört einem französischen Pharmakonzern und dient dem Pflanzen giessen (!). Die übrigen Bewohner der bis zu 200 Meter hohen Insel müssen Wasser kanisterweise zu ihren Häusern tragen. Es wäre also eindeutiges Verbesserungspotential vorhanden. Nach einer erholsamen Nacht mit anschliessendem Zmorge in der Sonne mit Ausblick auf den See machten wir uns auf zurück nach Copacabana. Von dort aus ging’s direkt weiter in unser nächstes Reiseland: Peru.
Wir hatten einen sehr guten ersten Eindruck vom Land: In Puno angekommen wurden wir freundlich behandelt, die Leute versuchten sich in Englisch mit uns zu unterhalten. Dies passierte in Bolivien so gut wie nie. Der Weg führte uns weiter in die Stadt Arequipa, welche uns mit ihren Kolonialbauten, dem Salta-ähnlichen Plaza und dem feinen Essen sehr gefiel. Die Stadt ist nicht nur von drei riesigen Vulkanen umgeben sondern liegt auch in der Nähe der Cotahuasi-Schlucht und des Colca Canyons, die Schluchten mit bis zu 3000 Metern Höhenunterschied zählen zu den tiefsten der Welt (Vergleich: Der Grand Canyon ist „nur“ 1200 Meter tief). Dies wollten wir uns nicht entgegen lassen und starteten deshalb unsere nächste Wanderung in den Colca Canyon.
Der Bus führte uns nach ‚Chivay‘, einem Dorf, an dem wir vorallem den Markt liebten. Wir verpflegten uns mit fasnachtschüechli-ähnlichen Gebäcken, chinesischen Nudeln und Alpaca-Spiessli, damit wir dann auch gestärkt sind für die nächsten Tage. Morgens früh um 6.00 Uhr fuhren wir zusammen mit Udo, unserem temporären Reisegspändli aus Österreich, mit dem Bus zum „Cruz del Condor“. Von hier aus konnten wir die über den Rand des Canyons aufsteigenden Kondore wunderbar beobachten. Wir sahen die Tiere bereits in Patagonien, aber sie sind immer wieder beeindruckend: Werden bis zu 70 Jahre alt, haben eine Spannweite von bis zu drei Metern und können bis zu 11 kg wiegen. Kaum zu glauben, dass sie noch fliegen können!
Der Bus brachte uns weiter zum eigentlichen Ausgangspunkt der Wanderung. Es folgte ein steiler Abstieg in den Canon, bei welchem wir von zwei weiteren Kondoren begleitet wurden. Die Aussicht war herrlich! Unterwegs stärkten wir uns mit selbstgemachtem Pasta-Salat und frischen Feigen, welche wir auf dem Weg geschenkt bekamen. Glücklich kamen wir an unserem Ziel an: Die Oase Sangalle.
Direkt neben dem Pool stellten wir unser Zelt auf, bestellten uns ein Bier und hüpften kurzerhand in den Pool. Der Besitzer des Grundstückes gesellte sich später zu uns und erklärte uns, dass sie bald Strom haben werden und er sich überlegt, wie er das nutzen könnte. Er fragte uns um unsere Meinung. Wir diskutierten und stellten ihm am nächsten Tag unser Konzept zur Wellness-Oase vor. Er war begeistert und wir freuten uns auch über so viel Innovation – etwas, das wir in Bolivien vermissten. Der darauffolgende Aufstieg war mit über 1000 Metern hart, aber gutes Training! Zurück in ‚Chivay‘ belohnten wir uns mit einem Gang in die nahegelegenen Thermalquellen und anschliessendem Hungerstillen auf dem Markt: Das tat gut! Wir erholten uns und setzten am nächsten Tag die Reise via ‚Arequipa‘ nach ‚Cusco‘ fort.
Es war unsere erste Fahrt in der Nacht in Peru, deshalb informierten wir uns sorgfältig über die Busgesellschaften und zahlten gerne einen höheren Preis, der Sicherheit zu liebe. Sicherheit war dann auch wirklich gross geschrieben, auch wenn sie es einem zum Teil übertrieben vermitteln wollten: Wir wurden einzeln vor dem Einsteigen gefilmt und mussten sogar einen Fingerabdruck hinterlassen! Ein Schmunzeln konnten wir uns natürlich nicht verkneiffen. Ohne Zwischenfälle kamen wir heil in ‚Cusco‘, der Hauptstadt des Inkareiches, an. Wir wurden in eine schöne Unterkunft „gelockt“ und genossen anschliessend die beste (wenn auch bis jetzt erste) Pizza in Peru. Anschliessend freute sich vorallem David: Wir genossen einen sehr geschmacksvollen Kaffee, direkt aus der Region. Es folgte eine kurze Foto-Tour durch die Altstadt.
Wir konnten so die von den Inkas erstellten Mauern bewundern. Unglaublich wie die Steine perfekt angepasst sind. Die Besichtigung der Stadt ist angenehmer am Abend, da man tagsüber dauernd angesprochen wird: Massagen, Guides, Touren, Ausrüstung, Essen…Der Tourismus läuft auf Hochtouren und dies natürlich wegen der nahegelegenen Ruinenstadt der Inkas: Machu Picchu. Dies war dann auch unser nächstes Ziel.
Machu Picchu kann enweder mit dem Zug oder auch zu Fuss erreicht werden. Wir entschieden uns jedoch gegen den offiziellen und weltbekannten Inca Trail. Dieser würde vier Tage dauern, wäre durchorganisiert, würde 500 USD kosten und das Negativste für uns: Man müsste ihn sehr früh (ca. 2-3 Monate) im Voraus reservieren, da von der Regierung eine Maximalanzahl von 500 Wandern pro Tag erlaubt sind. Wir wollten auf eigene Faust losziehen und beschlossen Machu Picchu über den alternativen Salkantay-Trek zu erreichen. Wir brauchen keinen Guide, da David durch lange Recherchen GPS-Tracks im Internet fand, Köchin haben wir auch immer dabei und die Aufgabe des Schleppens durch die Maultiere übernehmen wir auch selbst. Mit dem Taxi machten wir uns auf nach ‚Mollepata‘. Dort übernachteten wir bei einem älteren Ehepaar, welches uns sehr umsorgte. Stolz zeigten sie uns ihren lebendigen Fleischvorrat: Die Meersäuli im Nebenraum! Es ist also nicht nur ein Gerücht, sie landen wirklich als Spezialität auf dem Teller.
Morgens früh um 6.00 Uhr brachte uns das Taxi nach ‚Soraypampa‘, von wo aus wir den Aufstieg in Angriff nahmen. Auf 4700 m.ü.M. genossen wir einen atemberaubenden Anblick des Berges „Salkantay“, welcher sich durch die Wolken nur teilweise zeigte. Vom Pass aus folgte der Abstieg. Wir wanderten vorbei an Zeltplätzen und Gruppen und waren immer wieder froh, selbst zu entscheiden, was wir jetzt wo machen möchten. Durch die Gruppen auf dem Trail folgen automatisch viele Maultiere und Pferde, welche die Ausrüstung und das Gepäck schleppen. Dies sieht man dann auch dem Weg an, was wir ein bisschen schade fanden. Angetrieben durch die verlockenden wärmeren Temperaturen, je tiefer wir gehen, wurde es ein langer Tag. Wir konnten das Zelt bei einer Familie im „Garten“ aufstellen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie einfach die Leute zum Teil hier leben. Kein fliessend Wasser, das Haus selbst gebaut aus Holz und nur einem Raum für die ganze Familie, kein Strom und das WC natürlich auch dementsprechend. Sie machten uns jedoch einen zufriedenen Eindruck und beschenkten uns vor der Abreise mit Passionsfrüchten aus eigener „Produktion“. Nach 1,5 Stunden wandern, ging’s weiter mit dem Bus nach ‚Santa Teresa‘, danach mit dem Taxi nach ‚Hidroeléctrica ‘ und von da aus in gut zwei Stunden zu Fuss den Bahngeleisen entlang nach ‚Aguas Calientes‘. Auf den Zug verzichteten wir bewusst, da es ihn praktisch nur für die Touristen gibt und dementsprechend auch die Preise überteuert sind.
Wir bezogen unsere Unterkunft, welche wir aber nicht lange nutzten. Um 4.00 Uhr war Tagwacht, wir kochten uns Nudeln auf unserem Kocher im Hotelzimmer, damit wir gestärkt waren für unser Vorhaben: Aufstieg zum Machu Picchu. Um 5.00 Uhr starteten wir den 500 Meter hohen Aufstieg. Es war ein riesen „Run“, alle hetzten den Berg hinauf aus dem Grund, weil nur die ersten 400 Personen den nahegelegenen Berg „Huayna Picchu“ besteigen dürfen. Das Training der vorgehenden Wanderungen hat sich gelohnt und wir holten uns den notwendigen Stempel. Noch vor dem Sonnenaufgang erblickten wir die überwältigende, terrassenförmige Stadt, welche zu dieser Zeit noch eine wohltuhende Ruhe ausstrahle. Uns schauderte kurz bei diesem mystischen Anblick, wunderschön! Wir nahmen uns zusammen mit vier weiteren Personen einen Guide, damit die „Steinhaufen“ einen Sinn ergeben. Um 10.00 Uhr stand dann die Besteigung des Huayna Picchus bevor. Die Bauweise des teilweise ziemlich kriminellen Weges verblüffte uns einmal mehr. Steilste Treppen führten uns schlussendlich zum Gipfel.
Es war zwar schön, ins Tal zu blicken, doch der Anblick des Berges von unten gefiel uns irgendwie besser. Wir folgten trotzdem dem Hype, die Berechtigung für den Aufstieg zu bekommen. Ein schweizer Paar, welches wir angetroffen haben, stand sogar um 2.30 Uhr nachts auf, damit sie es mit dem Bus noch unter die ersten 400 schafften, kaum zu glauben. Wir genossen den Ausblick, verabschiedeten uns am Nachmittag vom eindrücklichen Ort und machten uns auf die Rückreise nach Cusco.
Von dort aus folgte die bis jetzt (vorallem für Karin) schlimmste Busfahrt: Nach Ica. Die Strecke ist schon sehr kurvenreich, ja, sie besteht eigentlich NUR aus Kurven (16 Stunden lang), kombiniert man dies noch mit einem etwas übermütigen Fahrer, könnte einem so schon schlecht werden. Karin hat aber zusätzlich noch etwas Schlechtes gegessen und litt deshalb unter Magenproblemen…Details ersparen wir euch. Die Geschwindigkeit wurde erst leicht reduziert, als ein verärgerter Fahrgast wie wild gegen die Fahrertür polterte und so ums Reduzieren der Geschwindigkeit bat. Eine Stunde vor dem Ziel schoss der Fahrer den Vogel, in unserem Fall in Form eines Taxis, ab. Der kleine Unfall passierte direkt vor den Augen der Polizei und so wurde unser Vorsprung durch das (zu) schnelle Fahren mit der Erledigung des Papierkrams kompensiert. Erschöpft und froh, noch am Leben zu sein, kamen wir in Ica an. Wir bezogen ein schönes Hotelzimmer und verschrieben die nächsten Tage ganz und gar der Erholung. Erst der vierte Tag war wieder von ein wenig Aktivität geprägt. Wir besuchten die nahegelegene und einzige Oase Südamerikas: Huacachina.
Der Anblick der von hohen Sanddünen umgebenen Touristenattraktion war schön. Wir beliessen es aber bei einem kurzen Abstecher ohne waghalsiges Sandboarden die steilen Hügel hinab. Darauf folgte ein Besuch der Bodega „El Catador“. Hier wird der für diese Region bekannte süsse Wein und natürlich der „Pisco“ produziert. Alles noch nach alter Schule: Die Trauben werden während der Ernte in der Nacht von fünf bis zehn Personen gestampft. Fussgemacht sozusagen. Die Führung war sehr persönlich und sogar inklusiv Degustation der verschiedenen Produkte. Hergestellt werden neben den alkoholischen Getränken auch Konfitüren und die super feinen Tejas (eine Süssigkeit, die in ihrem Inneren Pekannüsse oder Feigen sowie einer Art Caramelcreme (Majarblanco) hat und umhüllt ist von Zuckerguss oder Schokolade, mhmmmm!).
‚Ica‘ ist immer noch gezeichnet vom verheerenden Erdbeben im Jahr 2007 (Stärke 7,9 auf der Richterskala). Die Regierung hat bis heute nicht in den Wiederaufbau investiert. Daraus folgt, dass nach vier Jahren traurigerweise immer noch Leute in Zelten wohnen müssen. Versicherungen bestehen natürlich keine. Hoffnung weckt die bevorstehende Präsidentschaftswahl. Wir konnten am ersten Abend in Ica den Wahlkampf hautnah miterleben: Der eine Kandidat, Ollanta, war nämlich zu Besuch und hielt auf dem Hauptplatz eine Rede. Für uns spielten sich ganz ungewohnte Szenen ab: Laute Parolen und Menschenmengen, die durch die Strassen zogen. Auf dem Platz glich das ganze eher einem Openair. Es fanden Konzerte statt und die Leute feierten. Neben Ollanta steht Keiko (eine Frau) ebenfalls zur Auswahl. Wie wir unterwegs erfuhren, ist es hier Pflicht zu wählen. Wer nicht wählt wird mit einer Geldbusse von 180 Soles (ca. 60 CHF) bestraft. Und das ist hier viiiel Geld. Wählen kann man dort, wo man schriftlich registriert ist. Da viele Peruaner sich an einem anderen Ort (z.B. wegen der Arbeit) aufhalten, müssen sie am Wahltag an den „Heimatort“ reisen. Wahltag ist der 5. Juni 2011, ein Tag an dem die Busse oft ausgebucht und überteuert sind. Aber das ist zum Glück kein Problem für uns, wir haben nämlich andere Pläne…
Unsere Vorfreude ist gross: In wenigen Tagen dürfen wir Fuss auf die Osterinseln setzen! Wir freuen uns umso mehr, dass wir „couchsurfen“ können und so sicher schnell vertraut werden mit der Insel.
Unterdessen wünschen wir euch eine schöne Zeit, geniesst die warmen Temperaturen! Herzlichste Grüsse aus dem Reich der Inkas!!!
Hier findet hier die Bilder zu den letzten Tagen:
Wie üblich die zurückgelegte Strecke: