Kolumbien
Endlich melden wir uns wieder zu Wort. Eine sehr aktive Zeit und das plötzliche Schlappmachen der Festplatte unseres Netbooks verhinderten dies bis jetzt. Wir sind aber wohlauf und berichten euch gerne über unseren Erlebnisse in…Kolumbien!
Willkommen im Land des Kaffees! Hier wächst und gedeiht nicht nur der Kaffee hervorragend, sondern auch Pflanzen, welche zum wahrscheinlich grössten Problem des Landes zählen. Der Ruf Kolumbiens eilte weit voraus…negativ von allen, die das Land nicht selbst besucht haben und durchs Band positiv von anderen Reisenden, also Kolumbienkennern. Umso gespannter waren wir deshalb die letzten drei Wochen in Südamerika hier zu verbringen.
Der Grenzübertritt erfolgte ohne die erwarteten Warteschlangen von ‚Tulcán‘ (Ecuador) nach ‚Ipiales‘. Unsere Sinne sind immer geschärft, sobald wir neues Land betreten: Was fallen uns für Unterschiede auf? Wie sind die Leute? Gibt es Besonderheiten? In Kolumbien fielen uns definitiv die vielen Polizeikontrollen während den Busfahrten als erstes auf. Diese sind nötig, da es im Süden des Landes noch heute zu Scharmützeln mit der FARC kommt. Wir waren jedoch nicht besorgt, da diese zum Glück die Touristen nicht betreffen, oder wenn dann durch Zufall. Eine weitere Auffälligkeit beim Reisen im Bus sind die Filme. Sie sind allesamt action-geladen bis sehr gewalttätig und brutal. „Rambo“ ist nur der Vorname. Und das bei höchster Lautstärke am helllichten Tag, wenn sich auch Kinder im Bus befinden…Höchst fragwürdig für uns. Es hilft nur, sich möglichst weit von den Lautsprechern wegzusetzen und seine eigene Musik zu hören…
Unser erster Halt war in ‚Popayán‘. Die Kolonialstadt strotzte nur so von weissen Bauten, meistens geschmückt mit Blumen vor den Fenstern…wir fühlten uns wie in einer besonders herausgeputzten andalusischen Stadt (wir waren zwar noch nie dort, stellen es uns aber zumindest so vor). Die Unterkunft liess nichts zu wünschen übrig, sogar Gratiskaffee war inklusive. Diesem Beispiel folgten noch etliche Hostels, sehr zu unserer Freude.
Nach einem kurzen Halt in ‚Calí‘ ging es weiter nach ‚Salento‘, einem Dorf in Mitten von etlichen Kaffeeplantagen. Wir hausten auf einer Eco-Farm in der Nähe des Dorfes. Eigentlich hätten wir um 5.00 Uhr morgens die Kühe melken können, aber das überliessen wir den „Städtern“ und freuten uns dafür über die frische Milch im Kaffee zum Zmorge! ![]()
Der Besuch einer Kaffeeplantage gehört zum Highlight des Aufenthalts. Ein Mitglied des Familienbetriebes führte uns herum und erklärte uns den ganzen Prozess von der Züchtung der Pflanze bis zum genussbereiten Kaffee in der Tasse. Der Betrieb ist nur klein und setzt voll auf biologischen Anbau. Da keine Chemie verwendet wird, helfen verschiedenen Pflanzen zwischen den Kaffeesträuchern, die Parasiten abzuwehren: Ein ausgeklügeltes System! Da die Produktion gering ist, wird der Kaffee einer Genossenschaft verkauft und direkt exportiert. Nur wir Glücklichen konnten den frisch gemahlenen Kaffee gleich vor Ort kosten, sehr geschmacksvoll!
Ein weiterer Ausflug unternahmen wir ins ‚Valle de Cocora‘. Die Wanderung führte uns ins Tal, wo wir Kolibris beobachten konnten und nach kurzem Aufstieg einen herrlichen Ausblick auf die eigentliche Attraktion hatten: Die Wachspalmen (Nationalbäume Kolumbiens). Majestätisch ragen sie aus dem Nichts in die Höhe…aber seht am besten selbst! ![]()
Von ‚Perreira‘ aus planten wir eine Wanderung, schliesslich dürfen wir nicht aus der Übung kommen! Das erste Mal durften wir in einem „Chiva“ fahren. Das sind übergrosse, vorallem überbreite, farbige, uralte Busse. Wir würden solche höchstens in einem Vergnügungspark erwarten. Wenn die vielen Sitzplätze besetzt sind, können die Leute einfach hinten drauf stehen und mit der Faust gegen den Bus hämmern, sobald sie abspringen möchten. So einfach geht das! Das Gefährt führte uns zum Dorf „El Cedral“ von wo aus wir nach einer frischen Forelle zum Mittagessen starteten. Die erste Nacht verbrachten wir auf dem Zeltplatz „La Pastora“, wo wir auf unerwarteten Luxus trafen. So ist er zum Beispiel mit einem Cheminée-Häuschen ausgestattet, welches wir spontan als Ersatz zum Zelt umfunktionierten.
Perfekt, um unsere nassen Schuhe zu trocknen und eine wohlig warme Nacht zu verbringen. Am 2. Tag legten wir über 1‘000 Höhenmeter zurück, was uns dann zu einem guten Schlaf verhalf. Wir lernten unterwegs aufgestellte Kolumbianer kennen, welche uns mit einer Spezialität beschenkten: Bocadillas, mhmmmm! Der dritte Tag führte uns durch den wunderschönen Wald wieder zurück zum Ausgangspunkt.
Trotz nicht allzugutem hygienischen Zustand bestiegen wir direkt den Nachtbus in die Hauptstadt ‚Bogotá‘. Hier erholten wir uns zuerst vom relativ engen Programm, kochten selbst und kauften sogar einmal Bratwürste und Cervelats vom Schweizer Metzger ein…horrende Preise, aber wir lächzten so danach, dass wir noch viel mehr bezahlt hätten!
Und sie waren es auch wirklich wert, ein voller Genuss! Immer sonntags ist Museumstag, sprich Gratiseintritt in alle Museen der Stadt. Wir besuchten zuerst das berühmte Goldmuseum. Der Audioguide führte uns durch die sehr moderne Ausstellung. Gold, Gold und nochmals Gold, soweit das Auge reicht! Auch ein Grund, weshalb das Land für die Eroberer so interessant war. Nach der
Goldüberdosis ging es weiter ins Polizeimuseum. Ein blutjunger Polizist in Ausbildung führte uns hindurch. Mehrere Räume waren Pablo Escobar gewidmet, einem Drogenkartellboss, welcher durch die Polizei in ‚Medellin‘ erschossen wurde. Wir sahen Bilder der Leiche, die letzen Kleider, die er getragen hat, all seine toten Kollegen…also eigentlich viel mehr als uns lieb war. Der Stolz war nicht zu übersehen, auch nicht im Raum mit all den verschiedenen Waffen, die die Polizei hat oder hatte. Vielleicht war der Besuch auch deshalb so amüsant, weil er unsere nicht allzu gute Meinung von den Polizisten hier noch unterstrich. Sie sind fast allesamt sehr jung, keiner konnte uns einen Weg beschreiben, geschweige denn eine Karte lesen und die Diskussionen mit ihnen änderten das Bild auch nicht. Aber immerhin: Es sind sehr viele, und mit der grösseren Sicherheit dadurch scheint’s zu funktionieren.
Unsere Aufmerksamkeit galt als nächstes ‚Zipaquirá‘, einem Städtchen etwas nördlich von ‚Bogotá‘. Hier befindet sich eine der Hauptattraktion von Kolumbien: Eine Kathedrale inmitten einer Salzmine.Eines war jedoch ein bisschen enttäuschend: Die Original-Kathedrale aus dem Jahr 1954 kann nicht mehr besucht werden, wegen Einsturzgefahr der Gänge. Sie wurde in der Salzmine zu Ehren von „Nuestra Senora del Rosario“ (die Heilige der Mineure) erbaut. Im Jahre 1995 wurde dann die neue,
moderne Salzkathedrale eröffnet. Verschiedene Künstler wirkten mit und schufen so ein imposantes Werk. Einmal pro Woche wird eine Messe gehalten, aber unser Guide selbst sagte uns, dass es kein heiliger Platz sei. Ein Bau für die Touristen also, Shopping am Ende der Tour inklusive!
Gelohnt hat es sich aber trotzdem, unser Guide erklärte uns die Salzgewinnung ausführlich, sogar mit einigen Wörtern auf Deutsch, wie es die Touristen (also auch wir) mögen.
Im friedlichen Dorf ‚Villa de Leiva‘ trafen wir auf einen Österreicher, welcher schon seit 1986 in Kolumbien wohnt. Neben dem Hostel, in dem wir wohnten, besitzt er eine Farm. Er züchtet Forellen und pflanzt Bio-Gemüse an. Er hat ein Landarbeiter, welcher 22‘000 COP (Kolumbianische Pesos = 11 CHF) bei einem Arbeitstag von 7.00 Uhr bis 17.00 Uhr verdient, den Stundenlohn könnt ihr selbst ausrechnen, nur so zum Vergleich…
In ‚San Gil‘ hatten wir die beste Unterkunft überhaupt: Direkt am Plaza (also Nahe beim günstigen Bier und mit entsprechender Aussicht), sehr nette Staff, moderne Küche, WIFI und das beste: Gratis BBQ am Freitagabend!
Zudem ist die Stadt auch gut gelegen um die schönsten Kolonialdörfchen in der Nähe zu besuchen. Zuerst ging’s mit dem Bus nach ‚Baricharra‘, von wo aus wir zu Fuss auf dem historischen Weg nach ‚Guana‘ wanderten. Die hügelige Landschaft und die malerischen Dörfchen sind einmalig. Auf dem Rückweg deckten wir uns mit der Spezialität von ‚Barichara‘, dem „Sabajon“ ein. Dies ist ein süsser Schnaps, ähnlich wie Baileys… ![]()
Ein weiterer Nachtbus brachte uns an die Karibikküste, nach ‚Santa Marta‘. Am Bus-Terminal packten wir um und gingen nur mit dem Nötigsten weiter in den bekanntesten und auch viel besuchten Nationalpark Tayrona. Nach der ersten Besichtigung wussten wir auch wieso: Die wunderschöne Landschaft, das glasklare Wasser, die grossen, kugelförmigen Steine am Strand, die grossen Palmen…traumhaft! Wir zelteten ganz in der Nähe des Strandes, kochten immer selbst und verbrachten die Tage mit Spaziergängen den Stränden entlang…der Sprung ins Wasser durfte natürlich nicht fehlen, auch wenn die erhoffte Abkühlung bei dem warmen Wasser ausblieb…
Am letzten Abend spielte sich leider eine traurige Geschichte ab. Drei Schweizer wurden auf unserem Camping beklaut. Wahrscheinlich sogar vom Besitzer selbst…die Polizisten waren nicht weiter erstaunt und auch nicht besonders hilfsbereit. Komisch nur, dass genau diese jeden Abend für einen Drink auf dem Camping vorbeikamen…unsere Antipathie wurde bestätigt. Zudem scheint Korruption ein weiteres Problem des Landes zu ein…Nur gut, dass unsere Schutzengel uns weiterhin hold sind!
Nach den erholsamen Tagen im Park besuchten wir die Stadt ‚Cartagena‘. Die Hitze war fast nicht zu ertragen, das Tagesmotto „einfach nicht bewegen“ blieb omnipräsent. Wir trafen eine Reisekollegin nach langer Zeit wieder und stimmten uns mit ihr zusammen und mit Rum am Plaza auf unser nächstes Reiseziel ein!
Für dies mussten wir dann auch noch einige Vorbereitungen treffen. Unter anderem Geld wechseln. Die beste Währung sei Euro. Wir waren nicht schlecht erstaunt, als der Kurs in der Wechselstube besser war als der offizielle im Internet. Davids Recherchen bestätigten unsere Vermutung: Nicht selten werden Drogengelder so unters Volk gemischt. Uns soll es recht sein. Nur gut, dass das Geld nicht sprechen kann!
Wir verliessen Südamerika mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir genossen die Zeit in vollen Zügen und erlebten sehr viel, auf die andere Seite freuten wir uns auf einen Szenenwechsel. Kolumbien war als Abschluss perfekt. Wir trafen auf die freundlichsten Leute überhaupt und alle Befürchtungen waren sinnlos: Wir fühlten uns jederzeit sicher. Wir haben nach knapp neun Monaten einen guten Überblick und wissen auch schon, welche Orte wir wieder besuchen würden!
Am Flughafen wollten sie uns dann auch fast nicht gehen lassen, dies aber mehr dank den genauen Kontrollen. Unser Souvenir von den Osterinseln (ein Moai aus Holz) musste ausgepackt werden. Dann wurde er genaustens unter die Lupe genommen. Es wurde auf Öffnungen geprüft und sogar mehrmals von mehreren Personen daran gerochen…Schlussendlich konnten sie keine Schmuggelware finden. Aber sie hatten einen Grund, dass sich Karin noch „scannen“ musste…nicht dass sie schlussendlich noch ein Souvenir IM Körper von Südamerika mitnimmt!
Den Flug haben wir trotzdem noch erwischt…in eine weitere Traumdestination: KUBA!!!
Hebeds guet und ignoriert den Nebel!
Wir lassen bald wieder von uns hören! Liebe Grüsse von uns zweien!!
Bildgallerie Kolumbien:
Zurückgelegte Strecke:

























