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kanada

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Frachtschiff ahoi!

Lange schon war der Traum in unser beiden Köpfen: Auf dem Seeweg den Pazifik überqueren! Aufwändige Recherchen im Internet liessen es schlussentlich zu, diesen tatsächlich zu verwirklichen! Anfangs dachten wir, wir könnten vielleicht auf einem Schiff einfache Arbeiten verrichten und dafür gratis mitfahren…aber in der heutigen Zeit scheint das eine reine Illusion zu sein. Die Preise für die Überfahrt sind nicht tief. 80 Euro pro Tag pro Person mussten wir ausgeben, aber dies war es uns allemal wert! Vorallem wenn man bedenkt, dass Verpflegung, Unterkunft und Transport inbegriffen sind.
 
2011-09-27-16-02-13_dsc_0232Schon von weitem konnten wir unsere Fahrtgelegenheit bestaunen. Wir möchten sie euch gerne vorstellen: Ihr Name ist Tosca, sie ist bescheidene 340 Meter lang, 43 Meter breit und hat 14 Meter Tiefgang. Beim Anblick machte sich die Nervosität breit, denn ein Abenteuer der ganz speziellen Art erwartete uns.
Per Anhalter erreichten wir den Hafen. Wir konnten bereits zwei Tage vor der geplanten Abfahrt an Board gehen. Nachdem wir unsere Namen der Security mitteilten erhielten wir Zutritt in’s Gelände. Uns wunderte es, dass es keinerlei Sicherheits-Checks gab. Bepackt mit unseren grossen Rucksäcken irrten wir in der riesen Anlage umher. Es war ein reges Treiben mit Entladen und Beladen: Riesige Krans hievten die Container im Minutentakt auf den Frachter, Lastwagen fuhren umher…wir fanden aber schliesslich den Aufgang zum Schiff und folgten der grossen, wackeligen Treppe. Wir wurden herzlich begrüsst und in unsere Kabine geführt, welche wir für die nächsten 12 Tage bewohnten. Sie ist geräumig, jeder hat sein Bett, es gibt eine Dusche mit abnehmbarer Brause (sehr zu unserer Freude, dies war nämlich bis jetzt sehr selten der Fall), zwei Fenster mit Blick auf die vielen Container und obendrauf noch ein eigener Kühlschrank! Was will man mehr? Als wir dann das Essen am weiss gedeckten Tisch serviert erhielten wussten wir, dass dies genau die richtige Entscheidung war. Es ist anzumerken, dass das Schiff unter französischer Flagge fährt. Die Franzosen legen also auch auf ihren Schiffen grossen Wert auf die Kulinarik: Am Mittag und am Abend stand jeweils die zum Menu passende Flasche Wein auf dem Tisch und die Käseplatte mit verschiedenen Käsesorten fehlte auch nie! Das Menu erfuhren wir jeweils am Mittag, schön gestaltet lag es auf dem Tisch. Sehr lustig daran fanden wir, dass das Menu der Passagiere und das des Kapitän-Tisches jeweils mit einem schönen Naturbild versehen war. Das der Crew war aber meistens mit einer halbnackten Frau illustriert! :)
 
2011-09-27-22-16-40_dsc_0258Am Abend vor der Abfahrt statten wir dem „Seamens Club“ innerhalb des Hafengeländes einen Besuch ab. Wir fanden aber gar nicht das Erwartete: Es gab keinen Alkohol, dafür gratis Bibeln. Die Atmosphäre war aber ganz speziell. Die Matrosen hatten nämlich dort die Möglichkeit, zu Hause anzurufen oder per Skype mit der Familie Kontakt aufzunehmen. Zudem gab es Snacks und Souvenirs von Kanada zu kaufen. Es war schön und traurig zugleich, die Gesichter dabei anzusehen. Je nach dem bleiben die Männer nämlich bis zu zehn Monate von zu Hause fern. Auf dem Schiff besteht ein Mailsystem. Wir bekamen auch unsere eigenen Adressen und konnten ebenfalls Nachrichten versenden. Einmal pro Tag wurden diese dann dem Satelliten übermittelt. Immerhin!
 
2011-09-29-08-24-07_dsc_0314Die Abfahrt verzögerte sich um einen Tag wegen mehrern Zwischenfällen mit defekten Containern. Schlussendlich waren wir aber bereit. Beladen mit 3600 grossen Containern (4500 hätten Platz) und einem Lotsen an Board, zogen uns die Tug-Boats vom Deltaport in Vancouver in‘s offene Meer hinaus. Das Schiff nahm Kurs nordwestlich Richtung Alaska und den Aleuten. Es war schade, dass wir im Dunkeln starteten (es war bereits 19.30 Uhr). Wir freuten uns schon, nochmals die schöne Landschaft vor der Küste und vielleicht den ein oder anderen Wal zu verabschieden. In der ersten Nacht schaukelte es schon etwas…oder waren wir es uns einfach noch nicht gewohnt? Nach eher wenig Schlaf erwachten wir am nächsten Morgen. Der erste Blick aus dem Fenster liess uns schon kein Land mehr sehen. Ein komisches und zugleich auch befreiendes Gefühl, so auf offener See unterwegs zu sein.
 
2011-09-30-17-12-34_dsc_0395Anfangs der Reise wurde ein Notfalldrill für die Besatzung durchgeführt. Wir Passagiere mussten uns ebenfalls mit dem Notanzug vertraut machen. Er gleicht einem Taucheranzug, der bei einem Notfall in 30 Sekunden angezogen werden müsste. Der Einstieg war sehr beschwerlich und der Anzug verwandelte uns im Nu zu teletubbie-ähnlichen Gestalten :)
 
2011-09-28-19-21-27_dsc_0307Die Besatzung bestand aus insgesamt 31 Personen. Der Kapitän, sein Stellvertreter sowie die meisten Führungspersonen waren Franzosen, abgesehen von vier Indern (alle Maler) bestand der Rest der Besatzung aus Rumänen. Als Passagiere waren wir zu dritt. Durch einen grossen Zufall war der dritte Passagier ebenfalls Schweizer! Hansjürg war 35 Jahre für die Swissair tätig und hat sein Wohnort nach der Pensionierung nach Thailand verlegt. Seine enorme Reiseerfahrung bescherte uns viele spannende Geschichten! Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle nochmals an dich, Hansjürg, für die super Zeit!
 
2011-10-01-23-26-15_dsc_0033An Board gab es einen kleinen Shop, der nur persönlich vom Kapitän geöffnet werden konnte. Für die Besatzung war es ein Highlight, als dieser am Samstag geöffnet wurde. Anstehen war angesagt, danach konnten sie sich mit Schnaps (beschränk auf maximal einen Liter pro Person), Bier, Cola und Zigaretten eindecken und dies zollfrei, also sehr günstig. Strahlende Gesichter kamen uns entgegen, als wir ebenfalls das ein oder andere Getränkt kauften. Schliesslich war es ein Tag zum Feiern: Clothilde, die einzige Frau in der Besatzung, wurde 25 Jahre alt! In der Captains-Bar (ja, es gab sogar mehrere) waren alle zum Apéro eingeladen. Die Crew griff kräftig zu, bei den Happen und natürlich auch beim Vodka! Nach dem Essen verlagerte sich ein Teil der Gesellschaft in die nächste Bar. Die Stimmung war (feucht)fröhlich und wir genossen die heitere Runde mittendrin! Aus Rücksicht veröffentlichen wir lieber nicht alle Fotos von diesem Abend! :)
 
2011-10-02-14-08-40_dsc_0073Der nächste Morgen liess uns den tiefen Blick ins Glas etwas bereuen. Wir verschliefen das Frühstück und kamen etwas lediert zum Mittagessen. Es war Sonntag und anscheinend ein ganz spezieller Tag. Nach einem Apéro (wir entschieden uns für Cola) wurden wir drei Passagiere vom Captain an seinen Tisch eingeladen. Alle erschienen herausgeputzt mit weissen Hemden und der Koch legte sich ganz speziell ins Zeug! Zum Glück konnten wir das üppige Mittagessen trotz des Vorabends geniessen! :)
 
2011-10-01-17-15-40_dsc_0465Ein Highlight der Reise war für uns auch die Besichtigung des Motorenraums. Zwei Stunden führte uns ein Besatzungsmitglied durch die lärmige Welt voller Motoren. Wir waren sehr beeindruckt! Das Schiff hat einen riesigen Motor mit 12 Zylindern und zusätzlich fünf Dieselmotoren. Die Gesamtleistung beträgt 93‘360 PS! Schon das überstieg unsere Vorstellungskraft. Der Rumäne erzählte uns, dass der Motor täglich 250 Tonnen Schweröl braucht, das war dann eindeutig zu viel für uns! Es ist ein sogenanntes „grünes“ Schiff. Beispielsweise wird das Abwasser speziell behandelt, bevor es ins Meer fliesst. Der Abfall wird kleinlich getrennt. Wir erfuhren jedoch später vom Captain, dass die meisten Häfen dann den Abfall trotzdem wieder zusammenschütten, na prima! Wir begegneten vielen der Crew während der Führung. Es waren alle sehr freundlich und gaben uns gerne Auskunft. Bevor wir an Board gingen, konnten wir uns das noch nicht genau vorstellen. Wir dachten, wir stören sie eher im Arbeitsalltag. Sie waren jedoch froh über die Abwechslung und erzählten stolz über ihre Erfahrungen. Bei längeren Gesprächen während der Fahrt erzählten sie dann auch von ihren Familien und vom Leben in Rumänien. Für uns war es sehr interessant, denn wir wussten ausser der Dracula-Geschichte so gut wie nichts über Rumänien und Osteuropa im Allgemeinen.
 
2011-10-03-12-09-01_dsc_0091Die erwartete Langeweile trat nie ein! Wir hatten endlich Zeit, Berichte zu schreiben und uns auf unser nächstes Ziel vorzubereiten. Zudem waren wir mit vielen neuen Filmen eingedeckt und verschlangen nicht weniger als vier Bücher während dieser Zeit. Am Fest knüpften wir den Kontakt zum Koch, so dass Karin ab sofort jeden Tag ein Paar Stunden in der Schiffsküche mithelfen konnte. Eine rundum lehrreiche Erfahrung! Nicht nur Küchentricks lernte sie, sondern auch die Französisch-Kenntnisse konnten aufgefrischt werden. Der Koch sprach nämlich ausschliesslich französisch. Die Besatzung konnte sich dann auch einmal über ein Stück Rüeblitorte zum Dessert freuen, made by Karin versteht sich! Zur Unterhaltung wurde zusätzlich ein Tischtennis-Tournier veranstaltet. Wir übten zwar ein wenig, hatten aber gegen niemanden nur die leisteste Chance. Die spielen offensichtlich öfters!
 
2011-09-29-18-38-50_dsc_0343In den zehn Tagen auf See mussten wir die Uhren insgesamt um 8 Stunden zurückstellen. Fast jeden Abend wurde uns somit eine Stunde geschenkt. Dafür strichen sie uns den ganzen Mittwoch, noch nie überschritten wir die Datumsgrenze, seltsam! Bis zu unserer Ankunft am Minami Honmoku Terminal in Yokohama (Japan) haben wir ungefähr 4244 Seemeilen zurück gelegt. Das sind rund 7860 Kilometer, 8 Zeitzonen haben wir durchquert und total 228 Stunden auf dem fahrenden Schiff verbracht. Die durchschnittlichen Geschwindigkeit betrug 34 km pro Stunde.
 
2011-10-10-08-44-30_dsc_0174Als wir uns dem Zielhafen näherten konnten wir immer mehr Schiffe sichten. Von munzigen Fischerbooten bis zu riesen Kohlefrachter. Die Einfahrt erfolgte bei Tageslicht, so dass wir das ganze Prozedere hautnah miterleben konnten. Mit einem Schiff kam der Lotse an Board, welcher die Navigation in den Hafen übernahm. Ein Tug-Boat zog und stosste das Schiff in die richtige Position. Nach kurzem Warten auf unseren Agenten konnten wir das Schiff verlassen. Wir freuten uns auf die Zivilisation an Land. Gleichzeitig fiel uns der Abschied nicht gerade leicht. Wir kannten jedes Gesicht, dahinter die ein oder andere Geschichte. Der Kapitän persönlich verabschiedete sich und wir winkten wie wild der Besatzung.
 
Mit unserem Agenten ging es dann direkt zur Gepäckskontrolle und zur Immigrationsbehörde. Und schon konnten wir in den Zug einsteigen zu unserem Ziel: Die riesen Metropole Tokyo!
 
2011-10-05-18-20-47_dsc_0109Für uns war die Zeit auf dem Schiff sehr entspannend. Auch wenn uns das viele Essen und keine Bewegung schon zusetzte! Wir entschieden uns, dass dies jetzt das Ende der passiven Zeit war und heckten schon neue Pläne für Wanderungen in Japan aus! Schön war auch, dass man sich auf eine neue Destination einstellen konnte. Man fühlte einmal, wie weit die Reise tatsächlich ist. Bei einem Flug ist der „Schock“ zum Teil einfach zu gross, es geht zu schnell und man braucht längere Zeit, bis man wirklich angekommen ist.
 
Nun ist schon der letzte Tag in Japan! Wir waren fleissig unterwegs…mehr wollen wir noch nicht verraten! ;)
 
Liebe Grüsse an euch alle und händ Sorg!
 
Bildgallerie Frachtschiff-Ahoi:

Pazifiküberquerung:

Gästebeitrag

Nach unserem Aufenthalt in San Francisco flogen wir nach Vancouver, wo wir davon ausgingen, die beiden am nächsten Tag im gebuchten Hostel anzutreffen. Karin & David haben es aber ziemlich geschickt eingefädelt, so dass es zu einer Riesenüberraschung am Flughafen führte. Der Versuch der beiden, sich „ganz unauffällig“ zu verstecken, ging aber nach hinten los und so kam es, dass wir den Wartenden eine nette Show boten! :) Die Wiedersehensfreude nach 10 Monaten war riesig!

Über unser Reiseprogramm und die eingelegten Stopps haben euch Karin & David schon berichtet. Unser Gästebeitrag dreht sich deshalb um unser Lagerleben und wie wir die Hobos während ihrer Reise erlebten.

Wir beide waren sehr gespannt was uns erwartet: Haben sich die beiden Weltenbummler verändert? Wie funktionieren sie miteinander? Wie fühlt es sich an, ein so einfaches Leben zu führen, wie sie es tun?

Glücklicherweise haben wir sehr schnell gemerkt, dass sich die beiden kaum verändert haben und so haben sich die 3 Wochen manchmal fast angefühlt, als wären wir zu Hause. Ihr Rucksack ist natürlich nicht nur mit Gepäck, sondern auch mit vielen neuen Erlebnissen & Erfahrungen mehr gefüllt. Diese Geschichten sorgten oft für Lacher und für Unterhaltung in unserer gemütlichen Runde. Und nicht zu vergessen: Diese zwei Hobos sind zu echten Sparfüchsen herangewachsen! :)

Mit ihnen waren wir sehr abenteuerlich und einfach unterwegs. So diente beispielsweise das Klopapier stets als Servietten. Bei edlen „Anlässen“ (ja, die gab es bei uns auch! :) ) entschieden wir uns aber doch für Servietten! :) Trinkwasser holten wir auch im Fluss und dank dem Sterilisierungs-Stab bekam uns das auch nie schlecht. Für uns war dies alles anfangs eine grosse Umstellung, die uns aber zu gefallen schien und wir uns so gut in das Sparfuchs-Leben der beiden integrieren konnten.

Hier ein kleiner Einblick in unser Leben als Wicked-campers: Kaum auf den verschiedenen Campings angekommen, bewaffneten wir uns jeweils mit Stirnlampe und Sackmesser, damit wir uns an die Arbeit machen konnten, die meistens darin bestand, uns kulinarisch zu verwöhnen. David war unser Feuer- & Grillmeister der sich seiner Aufgabe völlig hingab. So genossen wir nicht nur das Gegrillte sondern auch das Lagerfeuer, wo wir jeweils gleich auch noch unser Dessert anrichten konnten (gegrillte Marshmellows mit Schweizer-Schoggi eingeklemmt zwischen 2 Graham-Crackers, man nennt dies auch Smores). Bei den langen Fahrten durch die Rockies, durch den Wilden Westen Kanadas oder entlang den vielen Bergseen heckten wir immer wieder neue Menüpläne aus. Es versteht sich von selbst, dass unser Geköche auf den Gaskochern stattfand. Sofern es die Umstände erlaubten, haben wir auch vielmals ein grossartiges BBQ veranstaltet. Vorweg kam jeweils das Holz sammeln im Wald, wobei David seinen Abast-Fähigkeiten freien Lauf liess. Für Holz fanden wir in unserem Wicked-Camper immer ein Plätzchen, auch wenn dies bei uns auf dem Schoss war und wir Stunden später immer noch unerwünschten Waldbewohnern begegneten, die sich auf unseren Maträtzchen sichtlich wohl fühlten…

Mehrmals waren wir ab von der Zivilisation, so dass wir keine Chance auf Handy-Empfang hatten. Für uns bald wieder Daheimgebliebenen war dies eine gute Erfahrung. So machen wir uns jetzt nicht mehr so viele Gedanken, wenn tagelang kein SMS bei den Reisenden ankommt und erst recht keine Antwort folgt.

Haben sie sich gegenseitig, für uns seltsame Fragen, gestellt, hat uns Karin aufgeklärt, dass es sich dabei um ihr tägliches Gedächtnistraining handelt damit sie in Übung bleiben! :) Wir merkten bald, dass so ein Vagabundenleben nicht alleine aus “schöne Orte besichtigen” und “chillen” bestand, sondern dass es ständig etwas zu tun gibt wie planen, forschen, sich informieren, kochen und noch etwas mehr planen. Aber natürlich kam bei uns vieren der gemütliche Teil (meistens am Lagerfeuer) nicht zu kurz, im Gegenteil :) .

Für uns war es wirklich eine grossartige und unvergessliche Zeit, auch wenn die Tränen beim Abschied nur mit Mühe getrocknet werden konnten.

Brigitte und Marianne

Als Abschluss des Kontinents Amerika hier noch die Strecke der letzten 11 Monate:

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Roadtrip durch Kanadas Westen

2011-09-04-13-09-26_p1000863Wir verabschiedeten uns von Vancouver Island und machten uns mit der Fähre auf in die Stadt Vancouver. Dort bezogen wir unser Zimmer, welches schon mit vier Betten versehen war. Die Vorfreude, den Besuch aus der Schweiz empfangen zu dürfen, war riesengross. Wir machten uns mit “Chlöpfmost” und Lachsbrötli bepackt auf zum Flughafen. Als wir die beiden im Bildschirm durch die Tür kommen sahen, wurden wir so richtig nervös. Durch ein fieses Ablenkungsmanöver hat’s tatsächlich geklappt, dass sie uns nicht erwarteten. So war die Überraschung perfekt! Die Tränen flossen nur so und wir genossen die erste Umarmung nach so langer Zeit. Wir haben an diesem Nachmittag sicherlich gut zur Unterhaltung aller Wartenden am Flughafen beigetragen! :) Bei „Gschwellti und Chäs“ im Garten unseres Hostels unterhielten wir uns bis spät in die Nacht. Es wartete sogar eine grosse Bescherung auf uns. Viele Geschenke aus der Schweiz durften wir entgegennehmen. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an alle „Beteiligten“, wir freuten uns wie kleine Kinder! :)
 
2011-09-12-11-21-34_dsc_0232Der nächste Tag diente vorallem der Vorbereitung für unseren Trip. Wir kauften grosszügig ein (wir lieben den real canadien superstore!) und starteten eine grosse Umpackaktion. Schliesslich wollten wir nur das Nötigste dabei haben, der Platz würde sowieso schon eng werden. Am Tag danach schleppten wir alles wie Sherpas quer durch die Stadt um unser „Gefährt“ für die nächsten 17 Tage entgegenzunehmen. Es ist wahrlich kein gewöhnlicher Campervan: Es ähnelt eher einem fahrenden Graffiti-Kunstwerk. Zusammen mit den getönten Scheiben ist der Hingucker garantiert! Für unsere Bedürfnisse ist er jedoch perfekt: Brigitte und Märi schlafen im Auto, wir im Zelt. Inbegriffen sind sogar noch Campingstühle, ein kleiner Tisch und sämtliches Küchenequipment. Vollbepackt waren wir startklar für das Abenteuer! Die Route haben wir schon im Voraus mit Hilfe der vielen Informationen aus dem Internet und dem Lonely Planet Forum (hier unser Beitrag) festgelegt. Natürlich wollten wir das Beste aus der Zeit machen und nicht planlos durch die Gegend irren.
 
Zuerst ging’s mit der Fähre zurück nach Vancouver Island, nach Victoria. Schon bei der Überfahrt sichteten wir von weitem mehrere Orcas, sicherlich zur Begrüssung von Brigi und Märi! Nach einem kurzen Shopping-Stopp in Victorias liessen wir uns auf dem ersten Campground im Wald nieder. Es folgte ein Grillplausch…die kulinarische Einstimmung war perfekt!
 
2011-09-07-10-37-37_dsc_0035Nach dem Besuch des idyllisch gelegenen „Fisgard Lighthouses“ fuhren wir quer über die Insel nach Tofino. Wir bezogen einen Camping direkt am Strand und fröhnten zuerst einmal dem Nichtstun, ausgeschlossen dem Apéro zum Sonnenuntergang natürlich. Tofino ist sehr bekannt für’s „Whale Watching“. Einen Ausflug wollten wir uns nicht entgehen lassen! Die Natur rund um das Städtchen ist wunderschön. Am Morgen früh starteten wir, die Sonne stand noch tief und so glitzerte das Wasser, es ragten Inselchen mit riesen Tannen aus dem Wasser…zusammen mit den vielen Tieren, die wir zusätzlich bestaunen konnten war es einfach nur perfekt! Wir sahen mehrere Adler, Seeotter, Grauwale und Buckelwale! Die See war sehr rauh, es schaukelte so ziemlich. Uns hat es den Spass zum Glück nicht verdorben, aber es gab auch Ausnahmen an Board! ;) Um das Gesehene zu Verarbeiten picknickten wir am Longbeach und waren danach wieder bereit für die Weiterreise.
 
2011-09-09-10-50-01_dsc_0167Wieder an der Ostküste der Insel angelangt ging die Fahrt der bekannten „Sunshine Coast“ entlang. Die Sonne schien tatsächlich und wir genossen die Wärme und vorallem die schönen Fährüberfahrten. Zum einen von Comox nach Powell River, danach von Langdale nach Horseshoe Bay. Nun waren wir wieder zurück auf dem Festland und unsere Fahrt in die Berge startete!
 
2011-09-10-10-20-00_dsc_0186Der Event der Velofahrer machte uns jedoch einen Strich durch die Rechnung. Rund 4000 Personen nahmen an der Plausch-Fahrt von Vancouver nach Whistler (ca. 120km) teil. Für uns bedeutete dies, dass der Verkehr nur einspurig war und wir dadurch nicht nur langsam waren, es waren auch einige Sehenswürdigkeiten unterwegs nicht zugänglich. Die schönen Shannon Falls konnten wir trotzdem besuchen. Whistler selbst wimmelte an diesem Tag nur so von Velofahrern. Es war einiges los und wir genossen es, dem bunten Treiben zuzuschauen. Der Ort selbst erinnerte uns ein wenig an Zermatt: Ein Wintersport-Ort mit edlen Hotels und einer schönen Lage. Die Skipisten werden im Sommer zu Mountainbike-Pisten umfunktioniert. Zum Teil waren schon die Anblicke halsbrecherisch!
 
2011-09-11-13-00-57_dsc_0215In der Nähe von Lilloet übernachteten wir in einer sogenannten „Recreation Area“ direkt am Fluss. Das sind gratis Campings mit einfachster Ausstattung: Es gibt nur ein Plumsklo, der Rest liefert die Natur. Unsere Besucherinnen waren es nicht gewohnt, kein Licht und kein fliessend Wasser zu haben. Das unwohle Gefühl wurde nicht gerade besser durch unsere stark betrunkenen Kanadier-Nachbarn. Den Mexican-Plausch konnten dann doch alle mehr oder weniger geniessen. Der Abwasch und das Zähneputzen im Fluss waren das erste Mal für die Mädels. Uns fiel dafür das erste Mal auf, wie stark wir uns schon an das einfache Leben vom West Coast Trail her gewohnt waren. Die Nacht war ruhig, ohne befürchteten Besuch der Bären. Vor dem Frühstück machten wir uns schon auf die Socken, um das Essen am See richtig geniessen zu können.
 
2011-09-13-13-18-18_dsc_0025Die Landschaft änderte sich abrupt. Von den dichten Wäldern, soweit das Auge reichte, zu der kahlen Wild-West-Landschaft. Wir entschieden uns dieses Mal für einen privaten Camping in idyllischer Lage mit allen Schikanen. :) Der Ausgangspunkt zur Erkundung des „Wells Grey Provicial Park“ war perfekt. Die Fahrt führte uns an mehreren Wasserfällen vorbei, darunter der bekannteste des Parks: Die Helmcken Falls (141 m tief, 4. höchster Kanadas). Der Park war ideal für einen Tagesausflug. Die Strasse ist so gebaut, dass die Attraktionen sehr gut, nur durch kleine Spaziergänge, zugänglich sind. Hier hat’s uns sehr gefallen, die Wasserfälle waren alle so verschieden, dass wir jedes Mal wieder von Neuem begeistert waren!
 
2011-09-13-13-51-28_dsc_0041Von nun an wurde es kühler und die Sicht auf die Berge immer besser. Besonders angetan hat es uns der „Mount Robson“. Majestätisch ragt er aus dem Nichts auf, so scheint es zumindest. Die Sonne beleuchtete ihn zudem noch perfekt. Wir hielten immer wieder an, um ihn abzulichten und die wunderschöne Landschaft festzuhalten. Am Abend schätzten wir es bei diesen Temperaturen umso mehr, in unseren Campingstühlen vor dem Lagerfeuer zu sitzen und den Tag ausklingen zu lassen.
 
2011-09-13-17-28-54_p1010308Nach einer Skype-Session am Morgen führte uns unsere Reise nach Jasper, ein schmuckes Touristenörtchen mit angenehmer Grösse. Hier auf unserem Camping durfen wir das erste Mal „Wapitits“ aus der Nähe betrachten. Stolz weideten sie und waren natürlich umzingelt von begeisterten Touristen. Das zweite Highlight des Tages folgte darauf: Ein Fondue aus der Schweiz am Lagerfeuer! Oh was für eine Freude! Schön war noch dazu, dass der Weisswein bei den Temperaturen schön kalt blieb! :)
 
2011-09-14-09-59-03_dsc_0171Es folgte ein Tag, den wir alle für makellos halten: Unser Wicked-Campter kämpfte sich frühmorgens einen Pass hoch und führte uns in eine wunderschöne Landschaft. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir den „Angel Glacier“, ein Gletscher, welcher durch den Kontrast mit dem türkisfarbenen Wasser nur so leuchtete. Wir verbrachten eine Weile mit Bestaunen der Umgebung, Zuhören beim Knarren des Gletschers und Steinmännli bauen. Die Abschluss-Show lieferte eine kleine Lawine, welche sich hoch oben vom Gletscher löste und den Berg hinabdonnerte. David wollte die Kulisse noch von oben festhalten und traf auf ein übergrosses Murmeltier. Schaut selbst, wie fotogen es ist! Am bekannten „Maligne Lake“ relaxten wir das erste Mal so richtig, genossen den See mit den umliegenden Bergen und schrieben wie wild Postkarten. Der krönende Abschluss bot uns der Aufenthalt in den Miette Hot Springs. Das warme Wasser tat uns allen so richtig gut! Wir waren entspannt, gut gelaunt und hungrig. Das erste Mal gingen wir auswärts für‘s Nachtessen, auch wenn es „nur“ der Burgerladen im Dorf war. :)
 
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Nach der Besichtigung der eindrücklichen „Athabasca Falls“ fuhren wir entlang dem spektakulären „Columbia Icefield Parkway“. Das erste Mal hatten wir schlechtes Wetter, jetzt hätten wir die Sonne mehr denn je gebraucht. Die Sicht war eingeschränkt und es war hart, wenn man sich die ganze Szenerie bei heiterem Sonnenschein vorstellte. Hier würden wir gerne nochmals zurück, in die weite, von Bergen gesäumte Landschaft. Auch die Bergseen würden noch viel mehr leuchten, obwohl der „Peyton Lake“ trotzdem das schönste Türkis zeigte. Angekommen in Lake Louise war unser Camping zum Glück mit einem Unterstand ausgestattet. Wir konnten im Trockenen kochen und essen und verbrachten einen sehr unterhaltsamen Abend mit ganz unterschiedlichen Leuten. Die einen hielten uns auch nach mehreren Korrekturen unsererseits immer noch für Schweden und die anderen strickten wie wild vor sich hin und erzählten Geschichten. :)
 
2011-09-16-20-08-19_dsc_0120Der Besuch des „Lake Louise“ war beeindruckend. Es hatte zwar sehr viele Touristen, aber dies nicht ohne Grund: Der See ist schlicht ein Juwel! Die Fotos wurden zwar nichts, die Sonne wollte nicht so recht, trotzdem werden wir diesen in guter Erinnerung behalten. Angekommen in Banff erkundeten wir zuerst den Wintersport-Ort. Auch hier hat es sehr viele Touristen. Die Beleuchtung am Abend und die schicken Häuser lassen es aber trotzdem einen gewissen Charme versprühen. Hier gönnten wir uns zum zweiten Mal ein Bad in den „Upper Hot Springs“. Es war moderner, edler und hatte mehr junge Gäste. Das Resultat war jedoch wieder dasselbe: Wir fühlten uns wie neugeboren! Zum Nachtessen wurden wir in’s Grizzly House eingeladen. Wir waren uns so einen Luxus überhaupt nicht mehr gewohnt. Wir schlemmten richtig und genossen das feine Essen in schönem Ambiente. Das Highlight war für uns Frauen ganz klar das Dessert: Toblerone Schoggi Fondue mit frischen Früchten. Mhmmmmm…
 
2011-09-19-20-33-59_dsc_0143Weiter ging’s über Golden nach Revestoke. Auf einem hellen Camping genossen wir einmal mehr gutes Essen und (zu)viele Getränke! ;) Nach einem kurzen Stopp im Hippiestädchen ‚Nelson‘ haben wir einen weiteren Szenewechsel vor uns. Der Besuch des OkanaganValleys, ein Tal, welches von der Landschaft her an die Toskana erinnert. Die lieblichen Hügel und die vielen Reben verstärken das Gefühl noch mehr. Es ist sehr trocken und deshalb herrscht ein Feuerverbot. Wir haben zum Glück zwei Gaskocher dabei und das Verbot machet uns keinen Strich durch die Rechnung. Wir basteln uns selbst Hamburger der Superlative. Jeder nach eigenem Geschmack: Viel Speck für für die einen, glutenfrei oder vegie für die anderen. Ein gelungenes Schlemmen!
 
2011-09-20-13-03-28_dsc_0158Der Weg führte uns durch riesige Anbaugebiete von allerlei Früchten: Nektarinen, Pfirsiche, Äpfel, Birnen und Zwetschgen waren gerade reif. Unterwegs konnten wir bei den vielen Fruchtständen stoppen und uns direkt von den Produzenten mit Vitamin-Bomben eindecken. In Penticton schnappten wir uns bei der Touristeninformation eine Karten mit den Weingütern, welche auch Kostproben anbieten. Insgesamt drei von diesen besuchten wir. Es war sehr abwechslungsreich, von der edlen Lounge mit Top-Aussicht bis zur hippen Bar mit Rockmusik im Hintergrund. Bei dieser waren wir vielleicht besonders sympathisch. Auf jeden Fall schenkten sie uns aus heiterem Himmel die Degustation und eine Flasche Wein obendrauf, unglaublich! :)
 
2011-09-21-22-07-17_dsc_0228Der zweitletzte Tag führte uns in die Wüste: Nach Osoyoos. Es ist eine der skurrilsten Landschaften Kanadas. Zwar kein Sand, aber sehr trocken und nur Sträucher und kaktusähnliche Pflanzen. Das Land hat so viel Abwechslung zu bieten! Den Abend verbrachten wir beim edelsten Grillplauschs unsers Roadtrips. Mit Lachs zur Vorspeise und Angus-Filet zum Hauptgang. Und das sind nur zwei Highlights der Tafel. Ein bisschen wehmütig verabschiedeten wir uns von unserem Büssli, welches immer für schnellen Kontakt mit der Bevölkerung sorgte und uns trotz den manchmal komischen Geräuschen heil wieder nach Vancouver zurückbrachte.
 
Der letzte Tag war vorallem dem Shoppen verschrieben. Natürlich kombiniert mit dem Erkunden von Downtown Vancouver. Uns fielen die extrem vielen kurrligen Gestalten auf. Sie sind zudem meistens noch jung und von den Drogen gezeichnet. Im Vergleich zu Südamerika war dies neu für uns. Aber zu viert unterwegs natürlich kein Problem, trotzdem stimmt es einem ein bisschen nachdenklich. Schnell wurde es Abend und wir stillten unseren Hunger und vorallem Durst in einem beliebten Pub in Gastown.
 
Der Tag, den wir so lange verdrängt hatten, war angebrochen. Die Zeit der Verabschiedung nahte. Die Überredungsversuche, doch noch zu bleiben, fruchteten leider nicht. Die gleichen Versuche der anderen Seite, in die Schweiz mitzukommen scheiterten ebenfalls. So blieb uns nichts anderes übrig als eine letzte Umarmung und vielen Tränen zum Abschied.
 
2011-09-25-00-16-27_img_0037Wieder zu zweit lenkten wir uns am Abend mit einem Eishockey-Spiel ab. Die Partie Anaheim Ducks vs. Vancouver Canucks endete zwar mit einer Niederlage der heimischen Canucks, insgeheim freuten wir uns jedoch für unseren Landsmann Jonas Hiller, der Goalie der Ducks. Viel Erholung und Vorbereitung brauchte es für die verbleibenden Tage in Vancouver. Die Nervosität stieg von Tag zu Tag…denn ein weiteres Abenteuer stand vor der Türe: Die Überquerung des Pazifiks auf dem Seeweg…;)
 
Eindrücke unserer Besucherinnen (Brigitte und Marianne) folgen demnächst in unserem ersten Gästebeitrag! Wir sind gespannt! :)

Liebe Grüsse an euch alle!!!
 
Bildgallerie Roadtrip durch Kanadas Westen:


 
Zurückgelegte Strecke: