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In 14 Tagen von Chamonix nach Zermatt

Die Bilder zur Wanderung findet ihr ganz unten dieses Beitrages.

Noch auf unserer Reise planten wir diese Wanderung, sozusagen als krönender Abschluss. Sie ist bekannt als „Walkers Haute Route“ und soll zu den schönsten Wanderungen Europas gehören. Die Route führt in 14 Tagen von ‘Chamonix’ nach ‘Zermatt’. Oder anders ausgedrückt: Vom Mont Blanc bis zum Matterhorn, unterhalb von zehn der höchsten Gipfeln der Alpen. Die Wanderung verspricht das Eintauchen in eine Welt der Gletscher, der hochaufragenden, schneebedeckten Berge, grünen Alptälern mit verschiedensten Bergblumen und Dörfern wie im Bilderbuch. Und tatsächlich so erlebten wir sie auch! Wir konnten jedoch nicht der ganzen Original-Strecke folgen, da auf den höheren Pässen noch zu viel Schnee lag vom harten Winter. Deshalb blieben wir flexibel und suchten vorweg nach Alternativen.

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(Alle Bilder können durch Klick vergrössert werden)

Nach rund zwei Wochen zu Hause packten wir unseren Rucksack erneut. Es war uns aber immer noch ganz vertraut. Komisch war es eher, die Kleider plötzlich aus einem Kleiderschrank zu nehmen. :) Wir machten uns auf den Weg ins Zentrum des Alpinismus Frankreichs: ‘Chamonix’. Der Ort ist gestürmt von Touristen, die entweder in einem der zahlreichen Strassencafés ein Raclette geniessen oder in Vollmontur als Wanderer unterwegs sind. Zu letzteren gehörten auch wir. Das Wetter war nicht berauschend, dennoch konnten wir einen Blick auf den Glacier des Bossons erhaschen. Der Gletscher kommt direkt vom Mont Blanc. Unsere erste Etappe war kurz: In rund zwei Stunden erreichten wir den Zeltplatz in ‘Argentière’. Dieser wird von einem Engländer geführt, sowieso schien es nur Engländer zu haben. Die Tour de Mont Blanc, eine andere bekannte Wanderung, ist unter ihnen sehr beliebt.

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Der Weg führte uns weiter Richtung Schweiz. Der erste zu erzwingende Pass war der ‘Col de Balme’ (2204 m.ü.M). Der Rucksack fühlte sich schwer an beim Anstieg. Zudem überraschte uns der erste Regen. Wir waren aber gut ausgerüstet und liessen uns nicht vom Weitergehen abhalten. Der Abstieg war steil, aber der Blick auf den Trientgletscher machte es leichter: Er war sehr beeindruckend mit seiner Grösse und wie er wunderschön ins Tal fliesst, herrlich! Mit der Ankunft in ‘Trient’ hatten wir Frankreich bereits verlassen und waren zurück in der Schweiz. In unserem Guidebook (übrigens auch von einem Engländer geschrieben) hiess es, dass die Einkaufsmöglichkeiten in ‘Trient’ „beschränkte Öffnungszeiten“ hätten. Dass der Laden aber den ganzen Tag geschlossen hat, mit dem haben wir nicht gerechnet. Mit etwas Improvisation und nettem Fragen konnten wir schliesslich ein Pack “Hörndli” im Restaurant kaufen und hatten so Abendessen und Frühstück! :)

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Der nächste Pass führte uns zur ‘Alp Bovine’. Die Lage dieser Alp ist phänomenal! Durch das schöne Wetter hatten wir fast 360 Grad Ausblick ins wunderschöne Rhonetal. Wir bevorzugten ein ruhiges Grasplätzchen anstelle der überfüllten Terrasse der Alp für unseren Mittagsstopp. Nach dem harten Abstieg gönnten wir uns ein Bier in der Sonne: Für diese Momente lohnt sich die Anstrengung! :) Wir übernachteten in ‘Champex’, ein Nest an einem kleinen See. Nach den vielen Kohlenhydraten zum Znacht machten wir es uns gemütlich am See und genossen den Sonnenuntergang.

2012-06-28-20-34-42_dsc_0085Die folgende Etappe führte uns über ‘Le Châble’ nach ‘Verbier’. Der Aufstieg in der prallen Hitze war besonders hart. Nach Abklärungen im Infocenter war klar, dass wir der Original-Strecke der ‘Haute Route’ ab hier nicht mehr folgen werden. Die Wege waren zum Teil noch nicht offiziell freigegeben und wir wollten auf keinen Fall ein Risiko eingehen. Dank eines Tipps der Touristeninformation in Verbier fanden wir unseren perfekten Schlafplatz: Ein Grillplatz über Verbier inklusiv Brunnen! Also deckten wir uns mit Grilladen und Weisswein ein und nahmen die letzten 400 Höhenmeter in Angriff. Mit kaltem Weisswein, Fackelspiess liessen wir den Tag vor dem Feuer sitzend ausklingen und schenkten unseren Muskeln die wohlverdiente Ruhe.

2012-06-29-15-47-31_dsc_0135Wir folgten der Seilbahn aufwärts bis zur Endstation. Über einen angenehmen Höhenweg erreichten wir den Pass namens ‘Col des Mines’. Nach dem Abstieg ging der Pfad entlang von alten Wasserleitungen. Im deutschsprachigen Oberwallis heissen sie ‘Suonen’, im Unterwallis (französisch) ‘Bisses’. Über dieses alte Bewässerungssystem konnten wir nur noch staunen! Wenn man bedenkt, wie viel Arbeit dahinter steckt und wie gefährlich es auch gewesen war, dieses zu errichten und zu unterhalten. Es war wohltuend immer dem Wasser folgen zu können, zum einen war die Neigung nie extrem und wir fühlten und als Zeugen von einem Stück Walliser Geschichte. Die Erwartungen an unser Ziel waren offensichtlich viel zu hoch. Der Ort ‘Siviez’, auch bekannt unter Super-Nendaz, machte auf uns einen sehr trostlosen Eindruck. Im Winter, wenn es belebt ist, mag das anders sein. Aber wir fühlten uns schon fast nach Russland zurückversetzt mit diesen grossen, dem Zerfall nahen Wohnblöcken…Eine Einkaufsmöglichkeit gab es auch nicht. So suchten wir uns ein schönes Plätzchen am Bach und begnügten uns mit allem, was der Rucksack noch an Essbarem zu bieten hatte.

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Entlang der ‘Bisses’ ging es weiter über ‘Veysonnaz’ nach ‘Vex’. Dieses Dorf gefiel uns ganz besonders. Es schien noch richtig intakt mit einem Dorfladen, einem Beck, einem Metzger und mehreren Restaurants. Kein Vergleich zu den Touristen-Dörfern unterwegs, die mit ihren leeren Ferienwohnungen richtiggehend schlafen im Sommer. Ein gemütlicher Campingplatz hätte den Aufenthalt perfekt gemacht…Wäre da nur nicht der starke Regen kombiniert mit Blitz und Donner gewesen…Im richtigen Moment waren wir im Trockenen und genossen unsere Spaghetti deshalb noch mehr.

2012-07-01-12-36-35_dsc_0176Die Wanderung führte uns an den eindrücklichen Erdpyramiden von Euseigne vorbei. Die Pyramiden sind eines der bekanntesten Naturdenkmäler des Eringertales und des Wallis. Nur wir kannten sie vorher noch nicht. Die Pyramiden sind stattliche 10 – 15 Meter hoch! Sie sind durch langwierige, geologische Vorgänge entstanden und gehen unweigerlich einem natürlichen Zerfall entgegen. Es lohnt sich also, diese bald noch zu besichtigen! ;) Wir schafften den Aufstieg nach ‘St. Martin’ gerade noch, bevor der starke Regen einsetzte. Zur Überbrückung machten wir es uns im Restaurant bei heisser Schokolade gemütlich. Der Regen wollte und wollte aber nicht aufhören. So trotteten wir trotzdem los und fanden eine witzige „Unterkunft“: Eine offene Holzhütte neben einem Pétanque-Feld. So mussten wir nicht unser Zelt im Nassen aufstellen und hatten erst noch ein trockenes Plätzchen zum Kochen.

2012-07-03-13-26-23_dsc_0244Das Wetterglück war uns auch am nächsten Tag ganz und gar nicht hold. Es regnete leicht beim Start und ging dann in Gewitter über. Nicht ideal um einen Pass zu überqueren. Es blieb uns nichts anderes übrig als im Wald abzuwarten und die Sekunden zwischen Blitz und Donner zu zählen, damit wir wussten wann wir wieder sicher sind. Eine heisse Bouillon danach weckte unsere Lebensgeister wieder. Wir waren gestärkt und konnten den ‘Col de Cou’ jetzt sogar ohne Regen meistern. Der Anblick nach dem Pass erinnerte uns an Neuseeland: Natur pur…ausser ein paar Schafen nichts zu sehen! Herrlich! In ‘Vissoie’ angekommen kauften wir Käse nach Lust und Laune, schwellten Kartoffeln und genossen Bier und Wein dazu. Wir hatten es uns auch so richtig verdient! :)

Erst am nächsten Tag hatten wir Zeit um das Dorf ‘Vissoie’ zu erkunden. Es ist richtig urchig walliserisch mit den Holzhäusern und der schönen Kirche aus Stein. Aber auch das nächste Ziel bergaufwärts war sehenswert: ‘St. Luc’ mit einer schon fast verträumten Stimmung und einem Dorfplatz wie aus dem Bilderbuch. Das Wetter verschlechterte sich leider wieder, aber wir hatten erneut Glück und konnten das Zelt vor dem Regen aufstellen. Wir entschieden uns für einen Zeltplatz neben dem ‘Lac Combavert’. Einem idyllisch gelegenen Bergsee. Durch den schnellen Wechsel des Wetters wurde uns an diesem Abend ein richtiges Naturschauspiel geboten. Abwechselnd Regen, Nebelschwaden und auch Sonne. Jedes Fernsehprogramm wäre langweilig dagegen!

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Der ‘Meidpass’ war unser nächstes Ziel. Der Aufstieg war zum Glück nicht sehr steil, trotzdem konstant. Und die Anstrengung wurde auch belohnt mit einer wunderschönen Aussicht! Zudem wurde uns eine private Flugshow geboten. Bis heute wissen wir nicht, was das genau war. Zwei schweizer Kampfjets übten irgendwelche Manöver über unseren Köpfen. Wegen der Lage, wir waren umringt von Bergen, war der Lärm ohrenbetäubend. Die Faszination packte uns trotzdem, zumindest David. Wir trafen danach seit langem wieder andere Wanderer und das Beste daran war: Wir konnten uns in Schweizerdeutsch mit ihnen unterhalten! :) Wir erreichten nämlich den ersten deutschsprachigen Ort: ‘Gruben’. Hier gönnten wir uns das erste Mal ein Essen auswärts. Und wir wurden nicht enttäuscht! Eine super Käseschnitte spornte uns an, bereits ein Stück in Richtung des nächsten Passes zu gehen. Der Regen vermasselte unseren Plan dann aber. Wir konnten gerade noch in der Nähe einer Hütte unser Zelt aufstellen, als der Regen einsetze. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass er auch nicht mehr aufhört bis am Morgen und es war noch nicht einmal vier Uhr am Nachmittag. Das erste Mal mussten wir im Regen kochen und verkrochen uns anschliessend wieder im Zelt.

2012-07-05-09-48-40_dsc_0611Weil der Wetterbericht Wetterbesserung versprach liessen wir uns zum Sonnenaufgang um 05.40 Uhr wecken. Das hat sich dann auch sehr gelohnt. Schnell packten wir alles zusammen und gingen los. Der ‘Augstbordpass’ (2897 m.ü.M.) bot uns einmal mehr eine super Aussicht. Doch was uns nach zwei Stunden erwartete übertraf diesen: Die Aussicht ins Mattertal mit dem Gletscher genau vor uns, Grächen (der frühere Skiferienort von David) gegenüber und hohe Berge soweit das Auge reichte! Zudem unterhielten uns lustige Berggeissen mit ihren langen Zottelhaaren und den geschwungenen Hörnern. Nach einem steilen Abstieg erreichten wir ‘St. Niklaus’. Da es dort keinen Zeltplatz gab und wir eine Dusche schon wieder einmal nötig hatten, zogen wir noch weiter aufwärts bis nach ‘Niedergrächen’, wo uns der perfekte Zeltplatz erwartete. Wir konnten kochen, heiss duschen und sogar unsere Wäsche in einer Maschine waschen!

Es folgte der erste Tag zur Erholung. Die Wanderzeit war jedoch nur knapp zwei Stunden bis nach ‘Gasenried’. Dort fanden wir ein schönes Plätzchen zum Übernachten. Der „Raiffeisen-Rastplatz“ war luxuriös ausgerüstet mit zwei Cheminées, einem Brunnen und Bänken. Wir kauften spontan im „Konsum“ Steaks und Weisswein und machten uns einen schönen Abend. Wir mussten auch gestärkt sein für den nächsten Tag, denn ein harter Aufstieg stand uns bevor.

2012-07-07-09-46-09_dsc_0666In der Nacht regnete es erneut. Als wir den grössten Aufstieg hinter uns hatten, breiteten wir das nasse Zelt zum Trocknen aus und genossen die Aussicht in die Berner Alpen und das Mattertal. Wir befanden uns für die letzten zwei Tage auf dem Europaweg. Es ist die Königsettappe der „Tour Monte Rosa“, und wird verkauft als ein Höhepunkt im Leben aller Naturfreunde und Wanderer, sogar als schönster Höhenweg der Alpen. Und tatsächlich bietet er sehr viel: Die vielen Gletscher, die saftigen Wiesen voller Bergblumen, die engen Pfade, die sich durch die Felsen bahnen…und trotzdem war es uns nicht immer wohl dabei. Durch den Permafrost scheint der ganze Berg in Bewegung zu sein. Es gibt Warnschilder betreffend Steinschlag und wir hörten auch solche. Wenn man sieht, was die Natur anrichten kann, wird einem schon ein wenig „mulmig“. Dank dem Adrenalin ist man aber dann an gewissen Stellen auch sehr schnell unterwegs! :) Die Hauptattraktion des Weges, eine 250m lange Hängebrücke, wurde vom Steinschlag zerstört. Die Geologen haben noch keine Entwarnung gegeben für dieses Gebiet. Deshalb steht die Zukunft dieser Brücke, oder vielleicht des ganzen Weges, noch in den Sternen. Der Weg führt wegen des Fehlens der Brücke bis fast zum Dorf ‘Randa’ hinunter und danach alles wieder aufwärts bis er wieder in den Original-Europaweg mündet. Genau auf diesem „Umweg“ hatten wir eine sehr schöne Begegnung. Wir waren auf der Suche nach Trinkwasser und entdeckten einen Brunnen zwischen mehreren Berghütten. Glücklicherweise waren gerade vier Leute dort und wir konnten nach einem Platz für unser Zelt fragen. Wir wollten schon schlafen gehen als einer von ihnen aufkreuzte und uns auf einen kleinen Umtrunk in ihre Hütte einlud. Wir freuten uns riesig und genossen die Gespräche in der gemütlichen Holzhütte bei Bier und frischgebackener Aprikosenwähe, was für ein Luxus! :)

2012-07-09-11-28-54_dsc_0927Am letzten Tag der Wanderung bekamen wir das Matterhorn das erste Mal wolkenlos zu Gesicht! Wir waren uns einig: Das ist der schönste Berg, den wir haben! :) So eindrücklich wie es über dem Tal thront! Mit dem Matterhorn vor Augen nahmen wir die letzte Etappe in Angriff. Jetzt war der Weg wieder mehr bevölkert. Es war ein angenehmer Höhenweg, welchen man von Zermatt aus sogar per Bahn erreichen kann. Glücklich und stolz, den ganzen Weg von ‘Chamonix’ nach ‘Zermatt’ mit eigener Muskelkraft geschafft zu haben erreichten wir unser Ziel. Zur Krönung gewann Roger Federer an diesem Abend Wimbledon, was uns noch einen weiteren Grund zum Feiern gab. Auf einem einfachen Camping in Mitten von ‘Zermatt’ machten wir es uns gemütlich und erholten uns zuerst einmal. Wir genossen die Zeit mit Apéro, Fondue auf dem Camping-Kocher und sogar noch Raclette à discrétion im Restaurant. Am Tag der Abreise bekamen wir Besuch von Karins Schwestern und ihrer Grossmutter. Wir verbrachten den Tag zusammen und reisten gemeinsam wieder nach Hause.

Die zwei Wochen auf Wanderung waren zum Teil sehr hart, anstrengend, herausfordernd, sehr ermüdend aber auch erfüllend, eindrücklich und einfach wunderschön, was einem die Natur zu bieten hat! Ein rundum gelungener Abschluss unserer Reise! :)

Geniesst den Sommer auch so wie wir und seid herzlichst gegrüsst!

Für alle Interessierten hier noch einiges aus der Statistik:

Höhenprofil der Wanderung inklusive den wichtigsten Wegpunkten (anklicken um zu vergrössern)

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Höhendifferenz in Metern pro Tag – Total 13’996m Aufstieg und 13’050m Abstieg, durchschnittlich 999,7m Auf- und 932,1m Abstieg täglich (anklicken um zu vergrössern)
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Zurückgelegte Strecke pro Tag – Total 249km, durchschnittlich 17.8km pro Tag (anklicken um zu vergrössern)
distanz_pro_tag

 

Ausgaben pro Tag – Total 397 CHF pro Person oder durchschnittlich 28.35 pro Tag und Person (anklicken um zu vergrössern)
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GPS-Track der modifizierten Route mit Zeltplätzen zwischen Chamonix und Zermatt

 

“Original”-Haute-Route (anklicken um zu vergrössern)
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Bilder der Wanderung

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Ab nach Hause!

2012-05-19-13-00-33_dsc_0292In ‘Kiew‘ genossen wir die Zeit bei Julia und Sergej, welche uns mit viel Selbstgekochtem verwöhnten. Wir hatten Glück, denn die beiden sind auch Weinliebhaber. So konnten wir grosszügig Wein in unserem Lieblingsladen Good Wine einkaufen und diesen zu den ukrainischen Spezialitäten beisteuern. Tagsüber erkundeten wir die Stadt. Sie ist sehr sauber, man bekommt an jeder Ecke frisch gezapftes Bier und wir konnten viele Kirchen und Klöster bewundern. Ein Kloster war dabei besonders eindrücklich: Das Höhlenkloster „Kijewo-Petscherska Lawra“. Vor über tausend Jahren bauten Mönche unterirdische Höhlen, welche sie als Bestattungsort verstorbener Mönche nutzten. Entlang aller Gänge stehen in Nischen die Särge vieler Mönche, deren Körper sich in den Särgen im Laufe der Jahrhunderte mumifizierten. Teile dieser Höhlen sind auch für Touristen, also auch für uns, zugänglich. Wir kauften uns eine Kerze, die uns den Weg leuchtete. Viele Gläubige besuchten Sarg um Sarg und küssten die Glasscheibe während des Gebetes. Es war eine sehr unheimliche, aber sehr spannende Erfahrung!

2012-05-20-08-50-46_dsc_0294Unser nächstes Ziel in der Ukraine war das geschichtsträchtige ‘Lviv‘ oder zu Deutsch: ‘Lemberg´. Die wunderschöne Altstadt lädt zum Flanieren, Glacé essen und Kaffee trinken ein. Uns gefiel die gemütliche Atmosphäre. Besonders gefreut haben wir uns über den Einfallsreichtum der Ukrainer kurz vor EM-Start: Sie kleideten mehrere Statuen mit dem Dress der ukrainischen Nationalmannschaft ein, ein herrlicher Anblick! :)

Die ungarische Hauptstadt ‘Budapest‘ war unser nächstes Ziel. Unsere Lust auf touristische Sehenswürdigkeiten nach dem Besuch von mehreren Städten hintereinander liess zu wünschen übrig. Stattdessen erkundeten wir die Stadt zu Fuss und liessen uns überraschen von den Bauten, den vielen Brücken und den kulinarischen Exkursen! ;) Auch diese Stadt ist absolut sehenswert!

2012-05-27-12-13-46_dsc_0333In rund vier Stunden mit dem Zug erreichten wir ‘Wien‘, pünktlich zum Pfingstwochenende. Wir konnten bei Alenka, einer ehemaligen Arbeitskollegin von David, ihrem Freund Fredy und Hund „Milo“ unterkommen. Das Wetter freute sich mit uns und zeigte sich von seiner besten Seite! Wir assen Sushi, soviel wir konnten, besichtigten die Stadt mit ihren wunderschönen Bauten und Plätzen, grillierten auf dem Balkon und assen ein Wienerschnitzel so gross wie eine Pizza! :) Es war einfach nur herrlich! Vielen Dank euch dreien für die schönen Tage!

2012-05-30-18-39-26_dsc_0401Auf unserem Weg nach Hause durften wir nochmals einen Freund besuchen. Udo lernten wir in Peru kennen und er wohnt zufälligerweise nur eine knappe Stunde westlich von Wien. Wir konnten zwei Nächte bei ihm und seiner Familie übernachten. Dabei fühlten wir uns wie zu Hause. Das ruhige Dorf mit seiner grünen Umgebung erinnerte uns schon sehr an die Schweiz! Auch hier wurden wir kulinarische verwöhnt: Mit frischen Erdbeer-Knödeln! An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön für die Gastfreundschaft!

2012-06-05-11-54-12_dsc_0423Die Nervosität stieg, denn wir waren schon sehr nahe von zu Hause! Nach all dem Essen, Trinken und süssem Nichtstun wollten wir Bewegung. Wir entschieden uns fürs Südtirol. In Molveno, einem kleinen Ort direkt am See gelegen, bezogen wir ein schönes Zimmer mit Seeblick im Hotel Olympia. Uns interessierten vorallem die Brentner Dolomiten in der Nähe. Das Wetter liess zu wünschen übrig, aber trotzdem genossen wir die Anstrengung, die Wiesen voller Bergblumen und die Steinböcke, welche wir gleich in einer ganzen Herde antrafen. So kurz vor der Saison trafen wir auf fast keine anderen Wanderer, die Ruhe war so wohltuend! Nach den Wanderungen flitzten wir direkt in die Sauna und ins türkische Bad: Die perfekte Entspannung für unsere Muskeln.

Um eine zusätzliche Region kennenzulernen zogen wir nach drei Nächten wieder los nach ‘Cavalese‘ ins Hotel Lagorai. Wie ihr seht: Wir liessen es uns zum Schluss nochmals richtig gut gehen! :) Das mehrgängige Menu am Abend wollten wir uns tagsüber mit Wanderungen im Rosengarten- und Latemargebiet verdienen. Die typischen Dolomiten-Berge faszinierten uns total! Auch wenn wir zum Teil noch Umwege gehen mussten wegen der Schneefelder, lohnte sich der Besuch dieser Region. Was jedoch zu wünschen übrig lässt sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Verbindungen sind nicht ideal, es fahren selten Busse und man muss offensichtlich froh sein, wenn sie überhaupt kommen. :)

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Rund acht Stunden dauerte die Fahrt von Cavalese nach Davos, inklusiv siebenmaligem Umsteigen. Unsere Reiseerfahrung wurde ein letztes Mal getestet! In Davos angekommen wurden wir durch Sandro, einen Freund von David, willkommen geheissen. Wir konnten es gar nicht glauben: Die Schweiz hat uns wieder! :) Der erste Einkauf in der Migros war dann schon ein wenig seltsam…Wir erfreuten uns an den Produkten, welche so selbstverständlich im Regal standen. Wir schnappten uns Rivella und Petit Beurre und genossen unsere ersten Barilla Spaghetti seit langem! Besonders gefreut hat uns der Anblick von unserem Franken, vorallem das „Münz“. :) Wie eine Fremdwährung und doch so bekannt. Wir gewöhnten uns natürlich sehr schnell wieder daran!

Als wir am nächsten Tag die Tickets für unseren Zug kauften merkten wir auch sehr deutlich, dass wir wieder in der Schweiz angekommen sind! :) In Zürich machten wir einen kurzen Zwischenhalt für die unschlagbare Pizza in der Cucina! Ein lang gehegter Plan: „Wenn wir dann zu Hause sind, gehen wir zuerst Pizza essen“. Gesagt, getan. Das Adrenalin stieg stetig…In Baden konnten wir dann Brigitte, Karins Schwester, als erste begrüssen. Alle anderen wussten nicht, wann wir genau ankommen. So konnten wir unsere lieben nach und nach überraschen. Die Freude war riesengross!!! Es folgte ein Anstossen nach dem anderen und natürlich Karins Geburtstagsfest am Sonntag.

Wir sind sehr glücklich und dankbar, gesund wieder zu Hause zu sein. Diese 19 Monate werden wir ganz bestimmt nie vergessen! Wir freuen uns jetzt auf die nächste Phase: Das Ankommen und Verarbeiten. Passend dazu haben wir unseren nächsten Streich ausgeheckt: Eine zweiwöchige Wanderung in der schönen Schweiz. Ihr hört von uns! ;)

 

Bilder Ukraine, Ungarn, Österreich & Italien

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Yunnan – China

Der Start in China wurde uns nicht gerade leicht gemacht. Zuerst wollte der Zollbeamte Karin auf dem Foto im Pass nicht wiedererkennen, was zu längerer Wartezeit und Begutachtung durch mehrere Grenzbeamte führte, danach legten fiese Bakterien Karin für zwei Tage lahm.

2012-03-08-13-47-43_dsc_0463Mit neuer Energie setzten wir unsere Reise Richtung Norden fort. Die Energie brauchten wir dann auch wirklich: Die Busfahrt zählt zu den schlimmsten überhaupt. Dieses Mal nicht wegen dem Fahrer oder einer gefährlichen Strasse, sondern wegen des Verhaltens der chinesischen Passagiere. Im vollen Minibus wurde geraucht was das Zeug hielt! Nicht nur Zigaretten! Auch riesen Wasserpfeifen kamen zum Einsatz. Wir wurden regelrecht eingenebelt. Hinzu kam das andauernde von unangenehmen Geräuschen begleitete Spucken, sogar in den Bus. Durch die kurvenreiche Strecke mussten sich einige Frauen immer wieder übergeben. Der Umgang mit dem Abfall war ebenfalls schockierend. Egal welche Art von Müll; PET, Glas, Zigis, Plastik…alles wird einfach aus dem Fenster geworfen! Wir fühlten uns teils wie im falschen Film! Diese zwölf Stunden im Bus werden wir wohl nicht so schnell wieder vergessen. Der Eindruck des unzivilisierten (natürlich für unser Verständnis) Chinas traf uns mit voller Härte!

2012-03-08-07-10-22_dsc_0400Den ersten Stopp legten wir bei den bekannten Reisterrassen um ‘Yuanyang’ ein. Die Jahreszeit war perfekt, denn die Reisfelder sind mit Wasser gefüllt und so ergeben sich wunderschöne Spiegelungen. In der Stadt trafen wir auf traditionell gekleidete Frauen. Ein schöner Anblick: Die leuchtenden Farben der Kleider kombiniert mit den mit Silber verzierten Kopfbedeckungen. Wir stationierten uns im Dorf ‘Duoyishu’ in Mitten der Terrassen. Die Idylle des Dorfes ist jedoch bereits getrübt. Die Menschen sind durch den Tourismus verändert. Es scheint ihnen an nichts zu fehlen und doch betteln Kinder sowie die Frauen, sobald sie einem sehen. Einmal bettelte ein kleines Mädchen mit vollem Mund um Essen… Der Staat hat mächtig ins Dorf investiert. Es wurde eine überdimensional grosse Terrasse für den chinesischen Massentourismus gebaut, damit all die Amateur-Fotografen einen guten Blick auf die Reisfelder haben. Wir suchten uns jedoch ein Plätzchen in den Terrasen, um den Sonnenaufgang zu geniessen. Das hat sich wirklich gelohnt…den Farbwechsel zu beobachten, zu sehen, wie die Sonne langsam über dem Berg aufsteigt und die Schönheit der spiegelnden Flächen hervorhebt.

2012-03-10-13-20-43_dsc_0521Mit dem Nachtbus ging es weiter nach ‘Dali’. Wir lasen im Reiseführer, dass dieser Ort sehr touristisch sei. Weil es aber eigentlich nur chinesische Touristen waren, störte uns das nicht. Es stellte sich heraus, dass wir meistens die grösste Attraktion waren. Die Leute wollten sich immer wieder mit uns fotografieren lassen, die weniger mutigen erwischten wir hinter unserem Rücken, wie sie heimlich Fotos von uns machten! :) Hier beobachteten wir das erste Mal die jungen, offensichtlich reichen Chinesen. Sie bestellten am Tisch nebenan allerlei Speisen. Als es dann serviert war assen sie es jedoch nicht. Nach ein paar Mal herumstochern bezahlten sie und verliessen das Restaurant. Diese Erfahrung war nicht die letzte. Für uns völlig unverständlich möchten sie vielleicht zeigen, dass sie so reich sind, dass sie das Essen nicht nötig haben. Wir verbrachten die Zeit mit Spaziergängen durch die für einmal sehr sauberen Strassen mit den alten Holzhäusern, welche gesäumt waren mit rosa blühenden Bäumen. Es war eine Erleichterung, eine Menukarte auf Englisch vor sich zu haben. Die Sprachbarriere bereitete uns nämlich ziemliche Mühen. Zum Glück haben wir die wichtigsten Wörter in chinesischen Zeichen in unserem Reiseführer. Ohne den wären wir immer wieder aufgeschmissen. Sogar die Zeichensprache für die Zahlen ist anders. Diese haben wir aber unterdessen gelernt, so dass wir wenigstens auf dem Markt auf etwas zeigen können und mit der Hand die Anzahl signalisieren. :)

2012-03-11-13-24-09_dsc_0550Eine kleine Wanderung führte uns auf die ‘Cang Shan’ Bergkette. Dort durften wir uns dank Amelia und Philippe im Higherland Inn einquartieren und Davids Geburtstag sozusagen nochmals zelebrieren. Die Unterkunft ist sehr familiär; wir fühlten uns von Anfang an wohl. Die Nachtessen waren ein Highlight. Am grossen, runden Tisch wurden allerlei feine Speisen aufgedeckt und alle bedienten sich nach Lust und Laune. Eine Tageswanderung bescherte uns einen schönen Ausblick auf die Stadt. Sehr mühsam war zwar das Waten im tiefen Schnee. Die riesigen Pinientannzapfen unterwegs und der Gedanke ans feine Znacht liessen uns jedoch die Anstrengung schnell vergessen! Nochmals herzlichen Dank euch Beiden für das gelungene Geschenk! :)

2012-03-12-19-58-24_dsc_0620Das kleine Dorf ‘Shaxi’ überraschte uns vorallem mit seinem schmucken Dorfplatz. Ein richtiges Idyll! Die alten Holzhäuser zusammen mit dem Kopfsteinpflaster und dem grossen Baum in der Mitte sind schlicht wie aus dem Bilderbuch! Wir hatten eine sehr originelle Unterkunft. Pferdeboxen wurden in Unterkünfte umgebaut. Jedes Zimmer hatte auf engstem Raum eine Toilette und eine Dusche. Der Weg zur Toilette war noch nie so kurz wie in diesen Nächten, was wir bei der Kälte sehr schätzten! :)

2012-03-15-20-10-44_dsc_0679Die Ruhe währte nicht lange. ‘Lijiang’ war unser nächstes Ziel. Dieser Ort toppte ‘Dali’ bei weitem was den Tourismus betrifft. Die Altstadt soll eine der meistbesuchten Tourismusdestinationen der Welt sein. Und wir kannten diese vor unserem Besuch gar nicht! Da wird einem bewusst, wie viele Menschen hier leben und reisen. Die Massen sind zum Teil erschreckend. Die Altstadt ist mehr ein kulturelles Disneyland als ein Ort zum Leben. Sie besteht praktisch nur aus Souvenirshops, Restaurants und Hotels. Nachts ist die Atmosphäre besonders kitschig. Der Besuch war aber trotzdem unterhaltsam und zudem eine echte Herausforderung für unseren Orientierungssinn. Die engen Gassen sind ein regelrechtes Labyrinth, wir waren jedes Mal froh wieder zur Unterkunft gefunden zu haben!

2012-03-19-19-23-43_dsc_0721Der nächste Abschnitt der Reise führten uns weiter nordwärts. Wir passierten die berühmte Tigersprungschlucht (Tiger Leaping Gorge), welche die tiefste Schlucht der Welt sein soll. Das Landschaftsbild veränderte sich. Wir sahen Jaks auf weiten Weideflächen und Häuser im tibetischen Baustil. Die Stadt ‘Shangri La’ liegt an den Ausläufern der Himalayas. Und genau diese Berge erweckten unser Interesse! Es lagen jedoch noch einige Stunden Busfahrt inklusiv Passüberquerung vor uns, bis wir endlich einen ersten Blick auf die atemberaubend schöne Bergkette ‘Meili Xue’ werfen konnten. Auf einer neu erbauten Aussichtsplattform türmten sich die Berge majestätisch vor uns auf: 13 Gipfel über 6’000 Meter! Solche Berge hatten wir noch nie gesehen. Wir hatten ein riesen Glück mit dem Wetter, die Sicht war perfekt! Zudem hatte es vor wenigen Tagen geschneit, was das Bild wirklich perfekt machte.

Mit chinesischen Studenten, welche glücklicherweise englisch sprachen, starteten wir unsere zweitägige Wanderung, um die Berge aus der Nähe bewundern zu können. Ein harter Aufstieg von über 1000 Höhenmetern war nötig. Hart vorallem, weil zum Teil noch Schnee auf dem Weg lag. Oben angekommen erlebten wir wieder einmal einen dieser magischen Momente: Die ganze Bergkette erstrahlte in der Sonne, das Blau des Himmels bildete einen schönen Kontrast zum Weiss des Schnees. Und die vielen Gebetsfahnen verliehen dem Ort etwas mystisches. Einfach nur herrlich! Der Abstieg zum Dorf ‘Yubeng’ ging wie von alleine. Wir waren froh um die Übersetzer, die wir dabei hatten. So fanden wir schnell eine einfache Unterkunft, tranken ein Bier und genossen ein feines Znacht. David war so begeistert, dass er sogar zum Sonnenaufgang den Aufstieg nochmals auf sich nahm. Dass es sich gelohnt hat könnt ihr hier gleich selbst sehen:

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Der zweite Wandertag führte uns durch ein Tal, immer entlang eines Flusses. Noch nie zuvor sahen wir so einen klaren Fluss in China. Die Spuren der Menschen, seien es nur ein Paar leere PET-Fläschli, begleiteten uns jedoch immer auf der Wanderung. Entlang einer tiefen Schlucht mit eindrücklichen Felswänden wanderten wir bis zum Mekong, welchen wir dann überqueren mussten. Hier wirkt das Gewässer noch wie ein wilder Bergfluss, kein Vergleich mit der Ruhe und Breite in Laos! Wir trafen unterwegs auf weitere Wanderer. Mit ihnen ging es dann per Minibus zurück zum Ausgangspunkt. Diese Wanderung war abwechslungsreich und bot uns Ausblicke, die wir nicht so schnell vergessen werden. David hat sie hier für alle Interessierten dokumentiert.

Etliche Stunden im Bus führten uns über ‘Lijiang’ zum Bahnhof, von wo aus unsere Reise in die nächste Provinz startete. Die Fahrt verlief glücklicherweise ohne Zwischenfälle. Die vorausgesagten Schneefälle hätten die Passfahrt verhindert und wir wären wohl noch heute dort.

China ist bislang nicht einfach zu bereisen. Es liegt nicht nur an den Verständigungsproblemen, sondern vorallem an der total anderen Kultur. Vielleicht können wir uns an die zum Teil ruppigen Umgangsformen und die Rücksichtslosigkeit im Alltag gewöhnen. Was das “Gekoddere”, “Geschmatze” und “Geschnuddere” angeht, haben wir unsere Zweifel… :)

Wir lassen euch herzlichst grüssen aus dem Reich der Mitte und freuen uns, dass euch die Sonne so treu ist! :)

Bildgallerie Yunnan:

GPS Track von Yunnan