Brasil!
Unterdessen befinden wir uns bereits kurz vor der Grenze zu Bolivien. Im letzten Monat bereisten wir einen kleinen Teil von Brasiliens Süden; immer auf der Suche nach den schönsten Stränden…
Angefangen hat unsere Erkundungstour in Florianópolis, Floripa genannt, bekannt für seine 42 Strände. Durch Glück und Zufall konnten wir ein ganzes Haus in Barra da Lagoa für uns mieten (das gelbe auf dem Bild). Dieses war nur durch ein kleines Fährboot erreichbar, richtig idyllisch. Wir genossen die häusliche Ruhe: Kochten frischen Fisch, spielten viel und mixten uns Caipirinhas mit Limetten aus dem Garten. So störte uns der zum Teil heftige Regen wenig. Sobald sich eine Wetterbesserung abzeichnete mieteten wir uns ein Auto für drei Tag und umrundeten so die Insel. Kurze Wanderungen zu abgeschiedenen Stränden waren ein Highlight: Viel Natur und menschenleer. An so einem Strand liessen wir uns dann auch für einige Tage nieder. Wir übernachteten im Zelt (natürlich mit Meersicht), beobachteten Delfine vom Strand aus und wanderten zum nahegelegenen Leuchtturm. Viel hatte es nicht an Infrastruktur: Zwei kleine Restaurants mit kuriosen Besitzern, Licht dank Solarzellen und kalte Getränke dank einem mit Gas betriebenen Kühlschrank. Der Süden der Insel ist bekannt für die Austernzucht. Diese Spezialität wollten wir ausprobieren: Sie schmeckten uns sehr gut, auch wenn unsere Variante mehr Käse als Austern war. Der Kellner zeigte uns das Boot nebenan, mit welchem unsere soeben verspeisten Austern erst vor einer Stunde eingetroffen sind: Frischer geht’s nicht!
Von Floripa ging’s weiter nach Blumenau. Die Stadt wurde 1850 von deutschen Einwanderern unter Leitung von Hermann Blumenau gegründet. Noch heute hat vieles einen deutschen Touch: Zum Frühstück gab es zum Beispiel Streuselkuchen (woran sich besonders Karin freute). Hier findet auch jährlich ein Oktoberfest statt, welches nach dem Carnaval in Rio de Janeiro mit jährlich über 700.000 Besuchern (!) das zweitgrösste Fest Brasiliens und das zweitgrösste Oktoberfest der Welt ist. Eigens hierfür wurde die Vila Germânica errichtet. Eine Allee mit Häusern im deutschen Stil, deutschem Essen und Bierhallen. Dank den Deutschen wird hier auch fleissig Bier gebraut. Wir besuchten die Brauerei „Wunderbier“. Fabio, der Eigentümer, führte uns persönlich durch seine kleine Brauerei und erzählte uns viel Wissenswertes darüber, das sogar auf Deutsch! Das Bier wurde uns direkt aus den grossen Stahltanks abgezapft zum Probieren. Es ist richtig geschmacksvoll im Gegensatz zu den grossen Marken hier. Es wird ohne Konservierungsstoffe hergestellt und deshalb nur im Umkreis von ca. 100km verkauft. Wir verstanden uns super mit dem sympathischen Bierbrauer. Zum Abschied schenkte er uns Bier aus seiner neusten Kreation. Mhmmmm…!
Während wir durch Blumenau schlenderten entdeckten wir am Flussrand Tiere, die für uns nach einer Mischung zwischen Meerschweinchen und Bieber aussahen, nur viel grösser. Wir machten uns schlau und wisse nun, dass dies Capybaras (oder Wasserschweine) sind: Die grössten Nagetiere überhaupt mit einer Länge bis zum 1.30 m und einem Gewicht bis zu 60 kg (!).
Von Blumenaus reisten wir via Curitiba nach Pontal do Sul. Die letzten Fähre verpassten wir, trotzdem konnten wir mit Einheimischen zur „Ilha do Mel“ (Honiginsel) fahren. Durch eine Bekanntschaft auf dem Boot fanden wir bei einer jungen und sehr freundlichen Familie eine perfekte Unterkunft. Es gibt keine Fahrzeuge und auch keine Strassen auf der Insel, sonsern nur Trampelpfade für die Fussgänger. Wie wir feststellen mussten ist die Konzentration auf den Boden von Vorteil: Schlangen sind häufig. Wir hatten jedoch Glück und machten nie nähere Bekanntschaft mit ihnen sondern genossen die relaxte Stimmung auf der Insel.
Mit der Fähre erreichten wir nach einer knappen Woche auf der Insel wieder das Festland. Wir nahmen den Bus nach Morretes, ein schönes Kolonialstädtchen. Geplant war, dass wir von hier mit dem Zug weiterreisen. Der starke Regen führte jedoch zu Überschwemmungen, und davor blieb leider auch die Zugstrecke nicht verschont. Wir stiegen wieder in den Bus und genossen die schöne Fahrt durch den Regenwald. Angekommen in Curitiba machten wir uns auf ins Restaurant Schwarzwald. Hier genossen wir Bier und Wurst und Schwarzwäldertorte (natürlich nicht mit der „richtigen“ zu vergleichen). Mit einer grossen, schon ziemlich angeheiterten Gruppe von Brasilianern verbrachten wir einen lustigen Abend!
Die Weiterreise Richtung Norden führten uns nach Trindade: Ein kleiner Ort, direkt an gleich mehreren schönen Stränden gelegen. Nach einer langen Busfahrt kamen wir am Morgen um 6.00 Uhr an und waren froh, dass die „Dorfbeiz“ bereits offen war. Wir wurden spontan von einem Gast zum Zmorge eingeladen…Noch heute fragen wir uns: Sahen wir vielleicht so mitleiderregend aus?
Egal, wir freuten uns! Die Tage verbrachten wir am Strand, assen gut und erholten uns einmal mehr. Eine kleine Horrorgeschichte möchten wir euch nicht vorenthalten: Was auf den ersten Blick wie ein eingewachsener Zehennagel aussah, war ein Wurm, der sich in Davids Fuss eingenistet hatte. Ja, ihr habt richtig gelesen! Gigi musste nämlich auch schon diese Erfahrung machen, jetzt hast du einen „Leidensgenossen“. Zum Glück haben wir ihn genug früh entdeckt und konnten ihm bereits im Larvenstadium den Garaus machen. Aufschneiden und mit Alkohol ertränken, so hat’s funktioniert. Diese „Würmer“ soll es anscheinend an allen Stränden in Brasilien geben und dagegen machen kann man so gut wie nichts, ausser man möchte immer mit den Turnschuhen am Strand sein! ![]()
Ab zur nächsten Insel! Zwar machten wir noch einen kurzen Halt im schmucken Kolonialstädtli „Paraty“, welches mit seinen Gässli und schönen Gebäuden zum Verweilen einlädt. Danach ging’s mit der Fährte von Angra dos Reis auf die „Ilha Grande“. Wie es der Name sagt ist die Insel riesig! Trotzdem ist sie auch autofrei und lädt zum Wandern ein. Wir besuchten den Strand „Lopes Mendes“, welcher in rund zwei Stunden zu erreichen war. Dort bot sich uns jedoch ein trauriger Anblick: Ein toter Wal lag am Strand! Immerhin: Noch nie waren wir beim Whalewatching so Nahe dran!
Nach fünf Tagen verabschiedeten wir uns vom Inselleben und machten uns auf in die Grossstadt.
Das zweite Mal in Rio de Janeiro begrüsste uns zum Glück die Sonne. Während des Carnavals war Sightseeing unmöglich, deshalb hatten wir einiges nachzuholen. Wir genossen die Aussicht zusammen mit dem 28 m hohen Cristo Redentor, welchen wir mit einer schweizer Zahnradbahn erreichten. Wir hatten gute Sicht auf das Maracanã-Stadion. Leider konnten wir uns kein Spiel anschauen, da das Stadion wegen der WM 2014 in Brasilien bereits jetzt renoviert wird. Am späteren Nachmittag wanderten wir zur Mittelstation des „Pão de Açúcar“ (Zuckerhut), einer weiteren Touristenattraktion. Mit der Gondel, auch aus der Schweiz, fuhren wir zur Spitze und genossen dort das zweite Panorama mit Sonnenuntergang und Rio-by-night-Sicht: Herrlich!
Am nächsten Tag erkundeten wir das Künstlerviertel „Santa Teresa“ zu Fuss. Als wir einen Polizisten um den Weg zur „Escadaria Selarón“ fragen, begleitete uns dieser kurzer Hand. So waren wir also sozusagen mit Polizeieskorte unterwegs und waren auch froh drum: Die Schere zwischen arm und reich zeigt sich in dieser Grossstadt extrem. Wir sahen sehr viele Obdachlose, auch Kinder, von Drogen gezeichnet. An die Einschränkung, dass man sich nicht einfach frei bewegen kann, mussten wir uns zuerst gewöhnen. Wir bereiteten uns gut vor, lasen viel und wussten so, wo man nicht hin sollte. Ein Beispiel ist der Besuch von Cristo: Wir wollten wandern, statt den Zug zu nehmen. Wir erfuhren jedoch von vielen Überfällen auf dieser Strecke und liessen es deshalb bleiben. Trotzdem hat uns Rio sehr gefallen: Die Lage der Stadt ist spektakulär. Die Strände, allen voran Copacabana und Ipanema, laden zum verweilen ein. Braucht man Abwechslung, ist der Dschungel auch gleich um die Ecke!
Wer einen Adrenalin-Kick möchte, kann einfach in den Bus einsteigen, solche Kamikazenfahrer haben wir bis jetzt noch nicht erlebt. Bei Nacht ein Achterbahn-Feeling!
Unsere letzte Destination in Brasilien ist der Pantanal, eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde. Von Rio zum Ausgangspunkt Corumba dauerte die Busfahrt geschlagene 28 Stunden. Zum Glück sind wir es schon gewohnt!
Auf einer dreitägiten Tour durch das Sumpfgebiet beobachteten wir viele Tiere vom Boot aus oder zu Fuss bei Tag und bei Nacht. Wir fischten Piranhas und verspeisten diese dann auch gleich zum Nachtessen. Apropos Essen: Dieses war unschlagbar und die Truppe „gmögig“. Mit wunderschönem Wetter zeigte sich Brasilien nochmals im Besten Licht!
Noch rund 15km trennen uns von der Grenze zu Boliven: Unserem nächsten Ziel! Wir freuen uns auf das neue Land, von welchem wir schon so vieles gehört haben. Die Badekleider verstauen wir unterdessen und tauschen es mit den warmen Kleidern…Schliesslich soll es auch von den Temperaturen her eine Veränderung geben, wir sind gespannt!
Wir grüssen euch herzlich und hoffen, dass es euch allen gut geht! Geniesst den Frühling!!!
Hier einige Bilder von der Küste Brasiliens, Rio zum 2. und dem Pantanal:
Hier die zurückgelegte Strecke seit unserem letzten Beitrag:


























