Argentiniens Norden & Start in Brasilien
Jetzt sind wir bereits in Brasilien. Wir möchten euch jedoch die letzten Tage von Argentinien nicht vorenthalten. Gleichzeitig können wir schon von unseren ersten Brasilien-Erlebnissen berichten.
Für unsere Reise in den Norden von Argentinien wählten wir den unkonventionellen Weg: Alles entlang der Ruta 40. So waren wir ab vom Touristenstrom und konnten von Dorf zu Dorf ziehen, bis nach Salta. Der einzige kleine Nachteil bestand darin, dass es nicht für die ganze Strecke Busverbindungen gab. Mit dem Glück an unserer Seite war aber auch das kein Problem. So kamen wir in der Nacht in einem Dorf namens “Tinogasta” an. Von dort aus wollten wir zuerst ein Auto mieten, um die Umgebung auszukundschaften. Auf diese Weise lernten wir Héctor kennen. Er hatte zwar kein Auto mehr zur Vermietung, zeigte uns jedoch spontan das ganze Dorf, erzählte uns Geschichten aus der Umgebung und machte uns auf das bevorstehende Erntedank-Fest aufmerksam, bei welchem auch seine Tanzschule auftritt. Bis dahin hatten wir noch zwei Tage Zeit.
Mit dem Bus machten wir uns auf den Weg weiter nördlich nach “Fiambala”. Bereits im Tourismus-Büro wurden wir reich mit Trauben beschenkt. Mit Autostopp ging es weiter zur Besichtigung der Sanddünen. In Taton wurden wir sogar von einer Familie zum Mittagessen eingeladen. Wir freuten uns einmal mehr über die Gastfreundschaft der Leute hier. Am nächsten Tag besuchten wir die 14km entfernten “Termas de Fiambala”. Wunderschöne, terrassenförmig angelegte Becken laden zum Baden ein. Die verschiedenen Becken sind mit der jeweiligen Wassertemperatur gekennzeichnet, so kann man frei wählen: Wie es einem am besten gefällt! Schön erholt waren wir zurück zum Fest in Tinogasta. Man hatte den Eindruck, dass sich das ganze Dorf eingefunden hatte. Es wurde getanzt, gesungen, und es gab sogar noch eine Miss-Wahl. Zur Enttäuschung von David war der Bikini-Auftritt der Missen jedoch erst am nächsten Tag. Es war unglaublich, wie morgens um 3.00 Uhr noch ganze Familien, von Grossmutter bis Kleinkind, am feiern waren.
Nach dem Fest war unser nächstes Ziel “Santa Maria”. Das Wetter zeigte uns nur zu gut, dass es momentan Regenzeit ist in dieser Region. Der Bus startete zwar pünktlich, musste aber vor einem Fluss umkehren. Immer wieder hatte der Regen Teile der Strasse überschwemmt. Und so entstanden dann auch Flüsse, wo vorher gar keine waren. Unerwartet mussten wir die Nacht im Bus verbringen. Am nächsten Morgen schafften wir es zum Glück nach Santa Maria, von wo aus wir gleich weiter nach Cafayate fuhren. Durch “La Serenata”, das alljährliche Musik-Festival, platzte die Stadt fast aus allen Nähten. Es war keine Unterkunft mehr zu finden und selbst die Zeltplätze glichen einem Schlachtfeld. Wir buchten einen Bus weiter am Abend und genossen den ganzen Tag in der Party-Meute. Unglaublich lustige Szenen spielten sich ab: Fast alle waren mit einem “Schnee-Spray” bewaffnet und spritzten ziellos auf Passanten. Es wurde jedoch noch getopt von Leuten, die einander mit Mehl oder sogar Polenta bewarfen. Vielleicht könnt ihr euch das Aussmass nach Ansicht der Fotos vorstellen. Immer auf der Hut schlichen wir uns durch die Strassen und genossen das feine Essen von den Strassen-Ständen.
Mit der Hoffnung, dem ganzen Tumult entfliehen zu können fuhren wir mit dem Bus nach Angastaco. Aber wir hatten uns zu früh gefreut, denn auch dort war ein Fest im Gange, der Schnee-Spray wieder allgegenwärtig. Es war keine Unterkunft zu finden, so stellten wir im Regen eben unser Zelt auf. Die Festgemeinde war auch hier unermüdlich. Morgens um 4.00 starteten sie dann ein riesen Feuerwerk: Die haben Ausdauer! Die Gesichter und die Gangart der Festteilnehmer am Morgen zeigten jedoch schon leichte Spuren vom Vorabend. Durch den andauernden Regen wurde auch dieses Dorf durch einen Fluss abgeschnitten. Mit Hilfe eines Traktors konnten einige Fahrzeuge mit Mühe und Not passieren. Unsere Mitfahrgelegenheit bestand jedoch aus einem normalen PW. So warteten wir einen halben Tag, bis es dann mehr schlecht als recht auch noch geklappt hat. In “Molino”, einem kleine Dorf, übernachteten wir endlich in einem richtigen Bett und einer Dusche!
Am Morgen nahmen wir den Bus nach Cachi. Auch dieser Ort ist richtig idyllisch: Mit einem Dorfplatz in der Mitte des Dorfes, umgeben von einer Kirche und schön gepflegten Häusern. Wir genossen die Ruhe und die feine Pizza mit Ziegenkäse, welcher natürlich hier hergestellt wird. Auch dieses Mal verlief die Weiterfahrt nach Salta nicht planmässig. Die Strasse war nicht befahrbar wegen dem Regen, hinzu kam, dass auf dieser Strecke in der Nacht zuvor drei Personen ums Leben kamen: Steinschlag. Ein mulmiges Gefühl machte sich breit, es wurde nicht besser nachdem wir das Profil der Räder unseres Gefährtes begutachteten. Mit fünf stündiger Verspätung starteten wir. Es wurde die schlimmste Fahrt bis anhin. Zu den Flüssen und den Unebenheiten der Strasse kam hinzu, dass es einen Pass zu überqueren gab. Dies gab uns zum Teil einen guten Blick in’s Tal…Meherer Male schlug der Boden des Buses auf dem Untergrund auf. Die Fahrt dauerte mehr als vier Stunden, gefühlte zehn Stunden. In Salta angekommen mussten wir zuerst mit einem Bier auf unser Leben anstossen. ![]()
Salta hat uns vorallem “by night” gefallen. Der Platz mit den wunderschönen Kirchen ist beleuchtet, man fühlt sich wie im Disneyland. Ein Museumsbesuch durfte auch nicht fehlen. Wir entschieden uns für das “Museo de Arqueologia de Alta Montana”. Hier sind Mumien von Kindern ausgestellt, welche auf dem Vulkan Llullailaco( 6700m) gefunden wurden. Durch die Kälte sind die Mumien gut erhalten und sind “erst” ca. 500 Jahre alt. Nach dem Besuch waren wir beide der Meinung, dass sie die Mumien besser an der Fundstelle gelassen hätten. Nach dem Glauben der Einheimischen wurden die Kinder nämlich dort begraben, damit sie das Dorf von Krankheiten bewahren und gute Ernte einbringen sollten. Nun kamen die Europäer und gruben die “Mumien” im Namen der Wissenschaft aus. Eigentlich wollten wir dies gar nicht unterstützen. Gefallen fanden wir dann am “Mercado Central”: Einem grossen Markt in Mitten der Stadt mit vielen Früchten, Gemüse, Souvenirs und feinen Spezialitäten, von welchen wir gerne kosteten.
Von Salta aus ging es weiter nach “San Salvador de Jujuy”. Hier fühlten wir uns schon nicht mehr richtig in Argentinien, sondern eher in Bolivien. Wir konnten dies an den Gesichtern der Leute und auch an der Menukarte feststellen, so genossen wir zum Beispiel eine “Sopa de mani” (scharfe Erdnuss-Suppe), welche eigentlich eine Spezialität aus Bolivien ist. Wir warteten auf gutes Wetter, mieteten ein Auto und fuhren die bekannte “Quebrada de Humahuaca” entlang. Dies ist ein Tal umgeben von wunderschön farbig gezeichneten Felsen und riesen Kakti, vorbei an malerischen Dörflis. Am Abend genossen wir Folklore-Gesang und unsere letzten Empanadas (natürlich dieses Mal mit Ziegenkäse) in “Purmamarca”. Am Morgen warfen wir einen letzten Blick auf “La montana de los siete colores”.
Hier einige Bilder aus Nordargentinien:
Zurück in Salta traten wir die lange Busfahrt (23 Stunden) nach Puerto Iguazu an. Die Reise verlief ohne Zwischenfälle, wir kamen sogar zu Schlaf. “Puerto Iguazu” liegt an der Grenze zu Paraguay und Brasilien. So besichtigten wir das “Dreiländer-Eck” und entschieden uns spontan, einen Abstecher nach Paraguay zu machen. Die Fähre verkehrt regelmässig und es herrscht ein reger Handel am Hafen. Wie wir an Bord erfahren, sind viele Waren in Argentinien billiger und so können wir übertriebene Ladungen mit vorallem Bier, Mehl und Zwiebeln beobachten. In Paraguay angekommen lassen wir unseren Pass stempeln, geniessen ein lokales Bier und treten auch schon wieder unsere Rückreise an.
Am nächsten Tag besuchten wir den Nationalpark. Der erste Blick auf die Wasserfällelasssen einem den Atem fast stocken. Unglaublich faszinierend tosen Tonnen von Wasser den Abgrund hinunter. Es erstrahlen Regenbogen, überall schwirren wunderschöne Schmetterlinge umher…so könnte es im Paradies aussehen (mit zusätzlicher heisser Quelle aus Honigmilch, für David Bier-Brunnen).
Den ganzen Tag wanderdeten wir den Wegen entlang und genossen so immer wieder andere Ansichten von über 200 grösseren und kleineren Wasserfällen, die bis zu 80 Meter in die Tiefe stürzen. Am Abend liessen wir den Tag mit einem guten Stück Rindfleisch, gegrillt vom besten Grillmeister, ausklingen.
Jetzt verabschiedeten wir uns definitiv von Argentinien. Das Land hat uns durch die Vielseitigkeit so begeistert, dass wir es wirklich allen weiterentfehlen können. Tipps geben wir gerne weiter!
Unser erster Stopp in Brasilien war “Foz do Iguaçu”, gleich nach der Grenze. Von da aus besuchten wir den den “Itaipu-Staudamm”, das zweitgrösste Wasserkraftwerkt der Welt (das grösste befindet sich in China). Der Anblick war beeindruckend, die Grösse fast unvorstellbar. Mit Vergleichszahlen wurde uns auf der Tour veranschaulicht, wie gross dieses Bauwerk ist. So brauchte es zum Beispiel Stahl in der Menge von 380 Eiffeltürmen. Unvorstellbar. Insgesamt 20 Turbinen produzieren unglaubliche 14′000′000Kw, 9 dieser Turbinen stammen aus der Schweiz. Da das Projekt ein gemeinsames Projekt der zwei Staaten Paraguay und Brasilien ist, wird peinlich genau darauf geachtet, dass alles genau aufgeteilt wird. So sind zum Beispiel jeweils 50% der Mitarbeitenden aus Brasilien, die andere Hälfte aus Paraguay.
Am nächsten Tag ging es zum Flughafen und ab nach Rio de Janeiro. Wir hörten schon viele Geschichten, natürlich vorallem gefährliche. Wir lasen in Guides Vorsichtsmassnahmen und so bereiteten wir uns darauf vor und überdachten unser Sicherheitssystem. Wir packten unsere Säcke um: Bauchtäschli weg, Pass da, Geld einmal hier, nochmals woanders, Bilder an drei verschiedenen Orten, jeweils mit zusätzlicher Kopie…alles um gerüstet zu sein. Da wir noch keine Unterkunft hatten, einigten wir uns auf einen Ort in der Stadt, damit wir diesen gleich nach der Ankunft anpeilen konnten. Angekommen in “Ipanema” fanden wir schon beim zweiten Hostel Unterschlupf. Und dies sogar fast zum halben Preis wie im Internet und auch nur für eine Nacht. Im Internet waren nur noch ganze Carnaval-Pakete mit einem Mindestaufenthalt von fünf Tagen zu haben. Wir trafen zufällig einen Amerikaner, Chris, welcher schon seit sechs Jahren in Rio wohnt. Mit ihm zusammen stürzten wir uns ins Getümmel. Für uns war es das Beste: Schliesslich konnten wir uns auch nach viel Lesen nicht entscheiden, wo wir jetzt am Besten hingehen sollten und wie das alles läuft. Wir tranken Caipirinha an d
er Copacabana und schauten den Blocos zu. Das sind wie Fasnachtswagen mit Musik, gefolgt vom tanzendem Partyvolk und Sambatänzerinnen. Es wird viel gelacht, getanzt und vorallem getrunken. Die Strassen sind überfüllt mit verkleideten Leuten, Männer vorallem in Frauenkostümen: Ein riesen Spass! Das ist der eine Teil des Carnavals, welcher auf der Strasse stattfindet und jeder teilnehmen kann.
Der traditionelle Teil, die Paraden der Sambaschulen, findet im “Sambódromo” statt. Es sind mehrere Schulen, die sich präsentieren. Jede Schule hat 2’500 bis 6’000 Teilnehmende…jetzt könnt ihr euch die Menge vorstellen. Und alle haben schon Monate im Voraus geübt, Kostüme genäht, Wagen gebaut. Unglaublich! Auch diesen Teil wollten wir kennenlernen. Die Tickets online sind ziemlich teuer, deshalb sind wir einfach spontan aufgekreuzt und haben per Zufall noch Tickets erhalten, dies zum Schnäppli-Preis. Wir nahmen Platz und liessen uns verzaubern. Die vielen
Farben, die Federn, das Glitzern, die Lebensfreude der Teilnehmenden, die schönen Leute und die Musik begeisterten uns. Wir hätten zu gerne die grosse Kamera dabei gehabt. Die Faustregel “Geh davon aus, dass du alles, was du dabei hast, verlieren wirst” hielt uns aber davon ab. Wir begnügten uns mit der kleine Digi-Cam, um trotzdem ein Paar Eindrücke festzuhalten. Die Show dauerte bis am Morgen um 6.00 Uhr. Also auch die Brasilianer haben Ausdauer!
Wir gönnten uns danach einige Stunden Schlaf, bevor wir uns erneut ins Getümmel stürzten. David musste jedoch zuerst sein Bett räumen, weil sich bereits zwei Partygänger darin eingenistet hatten. Die Stadt ist wirklich im Ausnahmezustand während des Carnavals. Die Masse ist so riesig, dass zum Teil die U-Bahn Stationen geschlossen werden mussten. Die Menge war nicht mehr zu befördern. Der Strassen-Carnaval gleicht einem riesen Botellón. Und trotzdem sind die Menschen friedlich und feiern…Wir wollten keine zweite Nacht in der überteuerten Unterkunft, und auch die Energie liess langsam nach, so entschieden wir uns, um Mitternacht den Bus nach São Paulo zu nehmen. So konnten wir die Nacht im ruhigen Bus verbringen. Wir planen aber, Rio nochmals einen Besuch abzustatten. Fürs Sightseeing blieb leider keine Zeit.
Von São Paulo ging es dann gleich weiter nach Florianópolis (18 Stunden insgesamt), bekannt für die schönen Strände. Hier befinden wir uns momentan, erholen uns in einem Apartment und geniessen die Ruhe.
Wir schicken euch viele Grüsse vom Sandstrand und hoffen, dass der Frühling bald bei euch Einzug hält!!!
Hier einige Bilder von Iguazu und dem Carnaval in Rio:
Hier die zurückgelegte Strecke seit unserem letzten Beitrag:



























