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Archive for February, 2011

side_mendoza

100 Tage unterwegs

Die Zeit läuft und läuft…Wir haben wieder vieles erlebt! Zum 100-tägigen Reisejubiläum möchten wir euch mit einem neuen Beitrag beglücken.
 
2011-01-21-15-34-28_dsc_0406Mendoza hat unsere Erwartungen voll erfüllt. Die Stadt mit einer Million Einwohnern ist zwar ähnlich wie andere argentinische Städte mit der Ausnahme, dass die Leute überfreundlich sind und man sich so fast wie in einem Dorf fühlt. Die Mendocinos sind stolz im positiven Sinne und die Traditionen werden hier noch eingehalten: Keine Einkaufsmöglichkeit zur “Siesta” (von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr), dies ist in anderen Grossstädten längst nicht mehr so. Mendoza liegt am Fusse des zweithöchsten Berges der Welt (ausserhalb der Himalaya-Region): Dem Aconcagua . Es ist brütendheiss und regnet gerade einmal drei Tage im Jahr. Um der Trockenheit entgegen zu wirken, wurde ein Bewässerungssystem entwickelt: Durch den Stausee wird reguliert, dass die Stadt über ein Kanalsystem das ganze Jahr mit Wasser versorgt wird. Unsere Weinbauern würden neidisch beim Anblick: Die Flächen der Reben sind riesig und vorallem alle flach. Ist zwar kein Vergleich zu unseren schönen Rebhängen, ermöglicht aber eine riesen Weinproduktion. Wir freuten uns schon lange darauf, diese Gegend zu erkunden. Wir mieteten für einen Tag ein Velo und fuhren so von Bodega zu Bodega, zu einem Biergarten und zu einer Olivenoel-Produktion. Die übliche Touristen-Tour. Wir hielten uns aber mit dem Konsum ziemlich zurück, schliesslich waren die Strassen viel befahren, vorallem von LKWs. Wir verzichteten deshalb auch auf den Gratis-Wein, der uns von der Vermietstation bereits morgens um 10.00 Uhr angeboten wurde. Um ein bisschen schneller vorwärts zu kommen, mieteten wir uns zusätzlich für zwei Tage ein Auto.
 
2011-01-21-16-56-20_dsc_0422Die Bodega “Salentein” hat uns besonders gut gefallen: Der Weinkeller beeindruckte uns durch seine mystische und moderne Art zugleich. Schmunzeln mussten wir bei der Führung in der Bodega “Septima”. Bei der Exportstatistik steht die Schweiz an zweiter Stelle. Wir outeten uns darauf als Schweizer und erhielten zusätzliche Informationen: Der Guide erwähnte den “Mega-Hit” von Coop (genauso ausgesprochen), für diesen wurden 21 Container mit fixfertigen Flaschen (abgefüllt und mit spezieller Ettikette für die Schweiz versehen) zu uns geschippert.

Hier einige Bilder aus der Region Mendoza:

 
Wir erfuhren, dass Kollegen von uns, Oli und Johanna, in Valparaiso verweilen. Ein weiteres Mal waren wir froh, keinen fixen Plan zu haben und machten uns spontan auf den Weg zu ihnen. Die Fahrt von Mendoza nach Chile war spektakulär: Eine Passstrasse entlang der stillgelegten Bahnlinie zwischen Uspallata und Santiago de Chile, vorbei an der “Puente del Inca” und dem Aconcagua. Die Hafenstadt Valparaiso, auch “Valpo” genannt, ist die kulturelle Hauptstadt Chiles. Durch den historischen Stadtkern mit seiner Architektur wurde die Stadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Uns gefiel der lebendige Ort mit seinen Hügeln und den farbigen Häusern. Durch die verschiedenen “Ascensores” (Standseilbahnen) kann man auf bequeme Weise die Hügel erklimmen und die Aussicht auf die Stadt und den Hafen geniessen. Am ersten Abend trafen wir dann Oli, Johanna und eine Kollegin aus Finnland. Wir verbrachten einen gemütlichen Abend mit feiner Pizza, Reiseaustausch, Pisco Sour und viel Bier.
 
2011-01-26-16-47-08_dsc_0091Nach einer Woche in Valparaiso machten wir uns auf den Weg in die Hauptstadt: Santiago de Chile. Für einmal buchten wir unsere Unterkunft im Voraus und glatt hat es nicht geklappt. Durch eine Doppelbuchung war kein Platz mehr für uns. Kurzerhand haben wir uns entschlossen, deshalb im Garten des Hostels unser Zelt aufzuschlagen. Als Wiedergutmachung wurden wir am Abend zum BBQ eingeladen, konnten natürlich gratis zelten und bekamen auch noch ein super Zmorge: Für uns ging die Rechnung auf. Santiago erkundeten wir mit einer vierstündigen Walkingtour. Die Stadt ist auf jeden Fall einen Aufenthalt wert: Sauber, historisch super spannend, da die Geschichte eben auch noch so jung ist. Die Schäden des Erdbebens vom letzten Jahr sind zum Teil noch zu sehen, letzte Woche hat die Erde wieder gebebt, es wird wohl ein ewiges Werk bleiben. Um uns wieder einmal sportlich zu betätigen planten wir eine Wanderung auf den Hausberg von Santiago, den “Cerro Ramon”. Mit Hilfe von GPS-Koordinaten aus dem Internet sollte die Route auf schnellstem Weg zur Spitze führen, von wo aus man in der Nacht einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt haben sollte. Es kam aber alles anders. Wir krackselten über lose Steine, steile Hänge hinauf und hinab, und dies auf einem Untergrund übersäht mit stacheligen Pflanzen, welche einem das Gehen nicht gerade erleichterten. Wir fragen uns noch heute, ob die Route evtl. für eine Schneeschuh-Tour im Winter gedacht wäre. Auf jeden Fall gaben wir nach acht Stunden harter Wanderung kurz vor dem Eindunkeln auf, schlugen unser Zelt auf, genossen einen Teller Pasta und wurden durch einen wunderschönen Sternenhimmel trotzdem noch für die Anstrengung belohnt.

Bilder aus Vaparaiso & Santiago de Chile:

 
Nach fünf Tagen Santiago zog es uns wieder zurück nach Argentinien. Mit dem Nachtbus fuhren wir zuerst nach Mendoza (8 Stunden) und danach nach San Juan (nochmals 4 Stunden). Dort suchten wir uns eine schöne Unterkunft, um Davids Geburi ausgiebig feiern zu können. Die Wünsche waren nicht gross: Ein Doppelzimmer und einen Grill. Den Tag starteten wir mit “Tortitas” (feine brotähnliche Gebäcke) und Kaffee. Danach folgte bald der erste Apéro, auf welchen noch einige folgten. Zur Feier des Tages kauften wir das beste Fleisch und den besten Wein, welcher passend zum Tag “Don David” hiess. David wurde von Glückwünschen überhäuft und genoss dies in vollen Zügen. Am Tag danach waren die Pläne nicht gross. Wir besuchten zum ersten Mal ein Museum “Museo de la Memoria Urbana”. Hier wird das Erdbeben in San Juan im Jahr 1944 eindrücklich geschildert. 90% der Stadt wurde zerstört, 10’000 von 18’0000 Einwohnern liessen ihr Leben. In einem Simulator wird veranschaulicht, wie stark und wie lang das Beben war. Ein mulmiges und unheimliches Gefühl machte sich breit, vorallem wenn man bedenkt, dass es jeder Zeit wieder passieren kann.
 
2011-02-05-19-32-04_dsc_0270Von San Juan ging’s mit dem Bus nach Barreal. Durch die hohe Lage in einem trockenen und weiten Tal ist es der ideale Ort für eine Sternwarte, die wir besuchen wollten. Wir genossen den schönen Campingplatz mit dem täglichen Rindsfilet vom Grill. Für den Ausflug zum Observatorium hatten wir jedoch Pech. Gerade an diesen Tagen war es bewölkt und die Exkursion wurde abgesagt. In der Hoffnung, an einem anderen Ort der Welt noch ein Observatorium besuchen zu können, machten wir uns auf den Weg zurück nach San Juan.
Nun ging die Reise nordwärts weiter nach “San Agustin del Valle Fertil”. Dies ist der ideale Ausgangspunkt für unser Ziel: Die Nationalpärke “Ischigualasto” und “Talampaya”. Zum ersten Mal hatten wir Regen während dem Zelten. Unser Zelt enttäuschte uns aber nicht und hielt dem starken Regen tapfer stand. So konnten wir die Nacht im Trockenen verbringen. Es hat sich gelohnt, bei diesem Posten nicht zu sparen. Unsere Nachbarn kauften ein Zelt in Chile und hatten ein Wasserbett, ohne das zu wollen. Weil es in den Park nur Exkursionen mit Rückfahrt nach San Agustin im Angebot gab, stiegen wir wieder einmal auf Autostopp um. Während dem Warten konnten wir noch ein Quad-Rennen verfolgen, dies war das Aufwärmen für das grosse Autorennen am Wochenende. Wir wollten dem entkommen, da die Lautstärke auf dem Zeltplatz durch die rundendrehenden Quads fast nicht mehr zu ertragen war. Gegen Abend hatten wir Glück und konnten rund 40 km weiterkommen. In einem kleinen Dorf verbrachten wir die ruhigste Nacht seit langem.
 
Am nächsten Tag warteten wir gerade mal zehn Minuten, bis wir mit einem Minibus zum Park mitgenommen wurden. Durch den Regen in den vergangenen Tagen war jedoch nicht der ganze Park geöffnet. Wir gingen mit der letzten Tour mit (der Park kann nur im Auto-Caravan auf einer bestimmten Route besucht werden). Der Park wird auch als “Valle de la Luna” (Tal des Mondes) bezeichnet. Die bizarren Skulpturen in einer wüstenähnlichen Landschaft beeindruckten uns. Wir verbrachten die Nacht auf dem Zeltplatz (mit WIFI!). Am nächsten Tag wurden wir spontan von dem Ranger angefragt, ob wir nochmals auf die Tour mitkommen möchten (und dies bevor die ersten Touristen in den Park durften). Wir freuten uns riesig, bedankten uns und dann ging’s los im Pickup mit drei Parkrangers. Sie hatten -”Garette” und Schaufeln dabei, um die vom Regen zum Teil weggespühlte Strassse immer wieder auszubessern. In dieser Zeit erkundeten wir die Umgebung und machten in aller Ruhe Fotos.
 
2011-02-12-16-31-08_dsc_0030Für das Weiterkommen in den nächsten Park brauchten wir wieder fast keine Geduld. Etwas beobachten und eine Anfrage, schon sassen wir für die nächsten 60 km im Auto von Luis, einem Arzt von Villa Union (das Dorf nach dem Park). Er lud uns dann auch gleich ein, bei sich und seiner Familie nach dem Parkbesuch zu übernachten. Wir genosse aber zuerst einmal den zweiten Park an diesem Tag. Die Landschaft war dramatisch: Rote, bis zu 150 m hohe Felsmauern und wieder von der Natur geformte Skulpturen. Einfach unglaublich schön! Mit den Arbeitern des Parks konnten wir nach Feierabend nach Villa Union fahren. Luis holte uns ab und zeigte uns sein zu Hause. In einem Studio, welches durch separaten Eingang neben seinem Haus lag, konnten wir übernachten. Dies zeigte uns wieder einmal die Offenheit und Freundlichkeit der Argentinier, fast unglaublich.
Anfangs hatten wir geplant, dass wir immer nordwärts der Westküste Südamerikas entlang reisen werden. Da jedoch im Moment in Bolivien Regensaison ist und auch die Wanderwege deshalb geschlossen sind, haben wir spontan entschieden, die Küsten zu wechseln und Brasilien einen Besuch abzustatten. Es passt prima in den Plan, da Anfangs März Carneval ist! :) Wir werden deshalb am 5. März von Iguazu nach Rio fliegen und uns von der Stimmung an einem Carneval überraschen lassen.

Und als Abschluss noch einige Bilder aus der Provinz San Juan:

 
Wir geniessen weiterhin die Freiheit und die täglich neuen Erlebnisse! Wir schicken euch viel Wärme in die Schweiz und lassen euch herzlichst grüssen!

Hier noch die zurückgelegte Strecke seit unserem letzten Beitrag: